Augarten Porzellan – verkaufen und bewerten lassen
Die zweitälteste Porzellanmanufaktur Europas
Wer ein Augarten-Service aus einem Nachlass übernimmt, hält oft mehr Geschichte in der Hand, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Die Manufaktur, die heute im Wiener Augarten-Park produziert, führt eine Tradition fort, die bis ins Jahr 1718 zurückreicht – Augarten ist die zweitälteste Porzellanmanufaktur Europas, nur die sächsische Manufaktur Meissen ist acht Jahre älter.
Augarten-Stücke aus Wiener Haushalten tauchen heute regelmäßig bei Auktionen auf – und die Preisspanne reicht von einigen hundert Euro für ein einzelnes klassisches Stück bis weit in den fünfstelligen Bereich für Du-Paquier-Porzellan, kaiserliches Alt-Wiener Porzellan der Sorgenthal-Periode oder Entwürfe von Josef Hoffmann und Michael Powolny. Wer ein Augarten-Service oder eine Figur geerbt hat, sollte sie deshalb einschätzen lassen, bevor sie verkauft wird – die Spannweite ist zu groß für eine Bauchschätzung.
Augarten – die Geschichte einer Wiener Manufaktur
Die Wiener Porzellanmanufaktur wurde 1718 von Claudius Innocentius du Paquier gegründet. Du Paquier, ein niederländisch-flandrischer Hofbeamter am Wiener Hof, hatte sich das Geheimnis der Porzellanherstellung von einem aus Meissen abgeworbenen Mitarbeiter beschafft. Kaiser Karl VI. erteilte ihm ein kaiserliches Privileg zur Porzellanherstellung – die Wiener Manufaktur wurde damit zur ersten in Europa nach Meissen. Die Stücke dieser Frühphase, das Du-Paquier-Porzellan, gelten heute als die seltensten und wertvollsten Wiener Porzellane überhaupt.
1744 übernahm Kaiserin Maria Theresia die finanziell angeschlagene Manufaktur in staatlichen Besitz. Sie wurde zur Kaiserlichen Porzellan-Manufaktur Wien und führte ab diesem Zeitpunkt den Bindenschild der Habsburger als Marke – jenen blauen Schild, der bis heute das Erkennungszeichen des Hauses ist. Unter Maria Theresia und ihren Nachfolgern entstanden die klassizistischen und rokoko-zeitlichen Tafelservice, die heute als Inbegriff des „Alt-Wiener Porzellans“ gelten.
Die künstlerische Spitzenzeit liegt in der Sorgenthal-Periode (1784–1805) unter dem Direktor Konrad Sörgel von Sorgenthal. In diesen Jahren entstanden die reich vergoldeten und feinst bemalten Stücke mit Vedutenmalerei, Blumenmalerei und Goldreserven, die heute auf internationalen Auktionen Spitzenwerte erzielen. Wiener Porzellanmaler wie Joseph Nigg lieferten Blumenstillleben in einer Qualität, die der zeitgenössischen Tafelmalerei kaum nachstand.
1864 wurde die Manufaktur staatlich aufgelöst – nicht aus künstlerischen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen. Für fast sechzig Jahre stand die Wiener Porzellantradition still.
1923 erfolgte die Wiedergründung im Schloss Augarten im 2. Wiener Bezirk, dem barocken Lustschloss im namensgebenden Park. Die neue Porzellanmanufaktur Augarten übernahm Formen, Marken und Tradition der alten kaiserlichen Manufaktur und führte den Bindenschild als Markenzeichen weiter. Von Beginn an arbeitete Augarten eng mit den Künstlern der Wiener Werkstätte zusammen: Josef Hoffmann entwarf das berühmte Melonen-Service, Michael Powolny schuf Figuren und Reliefs, Vally Wieselthier und Dagobert Peche lieferten expressive Entwürfe. Diese Stücke gehören heute zu den meistgesuchten Augarten-Objekten.
In den 1930er Jahren entwarf August Plöckinger die Lipizzaner-Figuren der Spanischen Hofreitschule – bis heute eine der ikonischen Augarten-Linien. Auch der berühmte Reiter auf seinem Lipizzaner stammt aus dieser Tradition und wird in handbemalter Ausführung bis heute produziert.
Die Manufaktur produziert nach wie vor im Schloss Augarten und führt die Tradition der handbemalten und handgeformten Stücke weiter.
Warum sind Augarten-Stücke heute besonders gesucht?

Augarten ist die einzige verbliebene große Porzellanmanufaktur Österreichs, und der Bindenschild als Marke trägt eine über 300-jährige Geschichte. Das macht die Stücke nicht nur zu Gebrauchsgegenständen, sondern zu Trägern Wiener Kulturgeschichte – ein Aspekt, der gerade bei internationalen Sammlern eine eigene Rolle spielt.
Der Markt teilt sich klar in mehrere Segmente: Alt-Wiener Porzellan vor 1864 ist Sammlergebiet im engeren Sinn und wird bei spezialisierten Auktionen versteigert – das Dorotheum in Wien, Im Kinsky, Lempertz in Köln und gelegentlich Sotheby’s und Christie’s führen entsprechende Spezialauktionen. Augarten-Stücke der Wiener-Werkstätte-Kooperation (Hoffmann, Powolny, Wieselthier, Peche) sind eigene Sammelgebiete und erzielen bei guter Provenienz oft fünfstellige Beträge. Klassische Augarten-Produktion seit 1923 ist breiter im Markt verfügbar und richtet sich an Liebhaber Wiener Wohnkultur.
Was alle drei Segmente eint: stabile Nachfrage, da der Bindenschild auf dem internationalen Markt eindeutig erkennbar ist, und eine klare Bindung an die Wiener Identität.
Welche Augarten-Stücke haben Sammlerwert?
Du-Paquier-Porzellan (1718–1744). Frühe Wiener Porzellane vor der staatlichen Übernahme sind die seltensten und wertvollsten Stücke der Manufakturgeschichte. Schon einzelne Tassen oder Schalen aus dieser Phase erreichen mittlere vierstellige bis hohe fünfstellige Beträge. Diese Stücke sind oft nicht oder nur mit eingeritzten Marken gezeichnet – die Bestimmung erfordert ausgewiesene Expertise.
Sorgenthal-Periode und klassizistisches Alt-Wien (1784–1864). Tassen mit Vedutenmalerei – Ansichten von Wien, dem Prater, kaiserlichen Residenzen – mit reicher Vergoldung erzielen je nach Maler und Zustand mittlere drei- bis hohe vierstellige Beträge. Vasen, Prunkservice und große Tafelaufsätze aus dieser Phase bewegen sich oft im fünfstelligen Bereich. Die Vedutenmalerei nach Schreibern wie Carl Schindler oder die Blumenmalerei nach Joseph Nigg sind eigene Sammlergebiete.
Wiener-Werkstätte-Kooperationen (1923–1932). Das Melonen-Service von Josef Hoffmann ist eines der gesuchtesten Augarten-Objekte überhaupt – komplette Service-Garnituren bewegen sich im fünfstelligen Bereich, einzelne Stücke je nach Form bei mehreren hundert bis mehreren tausend Euro. Figuren von Michael Powolny, Vally Wieselthier oder Dagobert Peche sind ähnlich gefragt; ein einzelner Powolny-Putto oder eine Wieselthier-Damenfigur erreicht meist vierstellige Werte.
Lipizzaner-Figuren und Reiterfiguren. Die kleinen Lipizzaner-Figuren (Levade, Capriole, Courbette, Pesade, Piaffe) aus den Entwürfen August Plöckingers liegen einzeln meist im drei- bis niedrigen vierstelligen Bereich, je nach Größe und Bemalung. Eine komplette Karussell-Serie der Spanischen Hofreitschule kann fünfstellig erreichen.
Klassische Service: Wiener Rose, Maria Theresia, Habsburg. Die seit den 1920er Jahren produzierten klassischen Services sind die häufigste Augarten-Variante in Wiener Haushalten. Vollständige Service für sechs bis zwölf Personen liegen je nach Erhaltungszustand und Vollständigkeit zwischen mittleren dreistelligen Werten und niedrigem vierstelligen Bereich. Einzelteile (Tassen, Teller) bewegen sich typischerweise zwischen 40 und 200 Euro.
Vasen, Schalen und Ziergegenstände der modernen Manufaktur. Stücke mit besonderen Dekoren, signierte Künstlerstücke oder limitierte Editionen sind oft deutlich höher bewertet als die Standardproduktion. Hier gilt: Marke prüfen, Modellnummer prüfen, Designer-Zuordnung prüfen.
Worauf bei Bewertung und Echtheit zu achten ist
Der Bindenschild als Marke. Die heutige Manufaktur Augarten verwendet den Bindenschild blau unter der Glasur – das ist die zuverlässigste Identifikation. Bei Alt-Wiener Porzellan (1744–1864) ist der Bindenschild oft aufgemalt oder eingedrückt; davor (Du-Paquier-Zeit) trägt das Porzellan in der Regel keine Marke, was die Bestimmung deutlich erschwert.
Jahresstempel. Von 1783 bis 1864 wurde die Manufakturproduktion mit einem zweistelligen Jahresstempel versehen (die letzten beiden Ziffern des Produktionsjahres, eingedrückt). Dieser Stempel ist eines der wichtigsten Datierungsmerkmale für Alt-Wiener Porzellan – und ein Anhaltspunkt für Echtheit, da die Imitationen aus Böhmen und Thüringen diesen Stempel meist nicht korrekt setzen.
Modell- und Malernummern. Eingedrückte oder aufgemalte Nummern verweisen auf das Formenmodell und teilweise auf den ausführenden Maler. Diese Codes sind in der Forschungsliteratur dokumentiert und erlauben eine relativ präzise Zuschreibung.
Erhaltungszustand. Bei Porzellan zählen Risse, Glasurabplatzer, abgeriebene Vergoldung, ergänzte oder retuschierte Stellen. Hellblaue Glasurschäden („Klippe“) in den Goldreserven mindern den Wert deutlich. Restaurierungen sind unter UV-Licht oft erkennbar – seriöse Bewertungen prüfen mit der entsprechenden Lampe.
Vollständigkeit bei Services. Bei Tafelservice ist die Vollständigkeit entscheidend für den Wert. Ein vollständiges Service für zwölf Personen mit allen Ergänzungsteilen (Soßenboot, Salzfass, Terrine, Platten in verschiedenen Größen) bringt deutlich mehr als ein unvollständiges Service mit gleicher Stückzahl. Fehlt nur die Terrine, kann der Wert um 30 bis 50 Prozent sinken.
Imitationen und Verwechslungen. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert produzierten böhmische und thüringische Manufakturen massenhaft Stücke „im Wiener Stil“, oft mit irreführenden Marken. Eine seriöse Bewertung schließt diese Imitationen aus.
Wie läuft ein Ankauf bei Paul Grosslicht ab?
Der erste Schritt ist einfach: Schicken Sie uns Fotos der Stücke – Vorder- und Rückseite, eine Detailaufnahme der Marke und gegebenenfalls der Jahres- und Modellnummern. Auf Basis dieser Aufnahmen erhalten Sie eine erste Einschätzung, ob und in welchem Rahmen ein Ankauf möglich ist.
Bei konkretem Interesse kommt Paul Grosslicht persönlich zu Ihnen – vorwiegend in Ostösterreich, kurzfristige Termine sind möglich. Bei großen Services oder umfangreichen Sammlungen ist der Hausbesuch in der Regel die sinnvollere Variante. Die Besichtigung und Bewertung sind kostenlos und unverbindlich.
Wenn beide Seiten sich einigen, kann die Abwicklung sehr rasch gehen. Eine Auszahlung noch am selben Tag ist in vielen Fällen möglich. Bei besonders wertvollen Stücken kann eine Vermittlung an internationale Sammler oder die Einlieferung in eine spezialisierte Auktion sinnvoller sein als der direkte Ankauf – auch das wird im Gespräch geklärt.
Warum Paul Grosslicht kontaktieren?
Paul Grosslicht betreibt den Wiener Kunsthandel seit über 35 Jahren – das Familienunternehmen in dritter Generation. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt im An- und Verkauf erlesener Antiquitäten und Kunstgegenstände, von Gemälden und Kunstobjekten bis hin zu Porzellan, Schmuck und Uhren. Fallweise besteht eine Kooperation mit dem Dorotheum in Wien, was für besondere Stücke zusätzliche Vermarktungswege eröffnet.
Ob aus einem Nachlass, einer aufzulösenden Sammlung oder als Einzelstück: Der Erstkontakt ist unverbindlich, die Bewertung kostenlos. Und wer keine Zeit verlieren möchte, bekommt rasch Klarheit.



