IWC Schaffhausen – Uhren verkaufen und bewerten lassen
Die einzige große Manufaktur östlich des Röstigrabens
IWC-Uhren landen oft auf dem Tisch eines Kunsthändlers, ohne dass die Besitzer ihren Wert genau einschätzen können. Sie wurden Anfang der 1990er gekauft, weil ein guter Freund die Manufaktur empfohlen hatte; sie kommen aus einem Nachlass, in dem niemand mehr weiß, wann der Vater sich diese „Pilotenuhr“ gegönnt hat; oder es ist eine Portugieser, die jahrelang in einem Wiener Kabinettstück lag.
IWC ist eine der wenigen Schweizer Manufakturen, deren Modellpolitik dem Sammlermarkt klare Orientierungspunkte gibt – und deren Vintage-Stücke bei den großen Auktionshäusern zuverlässig stabile Ergebnisse erzielen.
IWC – die Geschichte einer ungewöhnlichen Manufaktur
Die International Watch Company wurde 1868 in Schaffhausen gegründet – nicht von einem Schweizer, sondern von einem Amerikaner: Florentine Ariosto Jones, vor seiner Auswanderung Vize-Direktor der renommierten E. Howard Watch Company in Boston, kam mit dem Plan in die Schweiz, dort amerikanische Fertigungsmethoden mit Schweizer Handwerk zu verbinden.
Schaffhausen war eine ungewöhnliche Wahl. Die Schweizer Uhrenindustrie konzentrierte sich damals im französischsprachigen Jurabogen – Genf, La Chaux-de-Fonds, Le Locle, Le Sentier. Jones brauchte aber bezahlbare Industriearbeiter und eine zuverlässige Energiequelle. Beides fand er am Rhein in Schaffhausen: Wasserkraft und eine deutschsprachige Arbeiterschaft, die mit feinmechanischer Arbeit (Schreibmaschinen, Webstühle) vertraut war. Bis heute ist IWC die einzige große Schweizer Manufaktur östlich des Röstigrabens.
Die Manufaktur überlebte Jones‘ eigene Pleite und mehrere Eigentümerwechsel. 1880 ging sie an den Schaffhauser Industriellen Johannes Rauschenbach-Vogel über; sein Schwiegersohn Ernst Jakob Homberger führte das Unternehmen durch beide Weltkriege.
Die heute prägenden Modelle entstanden in einem überschaubaren Zeitraum:
1939 entstand die erste Portugieser – auf Bestellung zweier portugiesischer Kaufleute, Rodrigues und Teixeira, die eine besonders präzise und sehr große Armbanduhr wünschten. IWC baute dafür ein Taschenuhrwerk in ein 41,5-mm-Armbandgehäuse, was damals als ungewöhnlich groß galt. Diese Größe wurde später zum Markenzeichen der Linie.
1936 kam die Spezialuhr für Flieger, 1948 die Mark XI als Beobachtungsuhr für die Royal Air Force – sie hat den Stil von Pilotenuhren bis heute geprägt.
1955 stellte IWC die Ingenieur vor, eine antimagnetische Automatikuhr für technische Berufe. Gérald Genta, der Designer der Royal Oak und der Nautilus, entwarf 1976 die berühmte Ingenieur SL (Ref. 1832) mit der charakteristischen Lünette und den fünf sichtbaren Schrauben.
1967 folgte die Aquatimer für Taucher, 1984 die Portofino als elegante Dresswatch, 1985 die neu interpretierte Da Vinci mit dem ewigen Kalender von Kurt Klaus – einer Komplikation, die mit minimalem Bauteilaufwand bis zum Jahr 2499 korrekt arbeitet und IWC den Ruf als „Ingenieurs-Manufaktur“ zementiert hat.
Seit 2000 gehört IWC zum Richemont-Konzern. Die Manufaktur in Schaffhausen ist aber weiter eigenständig in der Werkproduktion. Albert Pellaton hatte 1950 den nach ihm benannten Pellaton-Aufzug entwickelt, der mit Klauen den Rotorwechsel in beide Richtungen nutzt – dieses System ist bis heute Markenzeichen vieler IWC-Manufakturwerke.
Warum sind IWC-Uhren heute besonders gesucht?
IWC hat ein anderes Profil als Rolex oder Patek. Die Manufaktur produziert in deutlich kleineren Stückzahlen, ihre Designs sind technischer und oft puristischer, und einige ihrer Werkkonstruktionen – allen voran das Kaliber 5000 mit Pellaton-Aufzug und sieben Tagen Gangreserve – gelten als Ingenieursarbeit auf hohem Niveau.
Im Vintage-Bereich sind vor allem die Mark-Pilotenuhren (Mark XI, XII, XV) und die Ingenieur SL „Jumbo“ von Genta begehrt. Beide werden bei spezialisierten Auktionen wie Phillips „The Geneva Watch Auction“, bei Antiquorum oder im Wiener Dorotheum regelmäßig versteigert.
Aktuelle Modelle der Portugieser-Linie – besonders der Portugieser Chronograph und die Portugieser Automatic 7 Days – haben sich am Sekundärmarkt zu stabilen Werten entwickelt, wenn auch ohne die spekulative Übertreibung mancher Rolex-Sportmodelle.
Welche IWC-Modelle haben Sammlerwert?
Pilot’s Watches. Die Beobachtungsuhr Mark XI (1948–1981 in verschiedenen Versionen für die RAF und andere Luftwaffen produziert) ist heute eine der gesuchtesten Vintage-Pilotenuhren überhaupt. Gut erhaltene Exemplare erzielen 8.000 bis 15.000 Euro, militärisch gestempelte Stücke mit klarer Provenienz auch deutlich mehr. Die modernen Nachfolger Mark XII, XV und die aktuelle Mark XX (Ref. IW328201, IW328203) liegen bei 3.500 bis 5.500 Euro. Der Big Pilot (43 mm, Ref. IW501001/IW501004) bewegt sich aktuell bei 12.000 bis 16.000 Euro.
Portugieser. Die wohl bekannteste IWC-Linie. Der Portugieser Chronograph (Ref. IW371445/IW371446) ist über Jahre eines der meistverkauften Modelle der Marke geblieben, am Markt zwischen 7.500 und 9.500 Euro. Die Portugieser Automatic 42 mm mit sieben Tagen Gangreserve und Pellaton-Aufzug (Ref. IW500712/IW500707) liegt bei 12.000 bis 15.000 Euro. Ältere Portugieser-Referenzen wie die 5251 (Splitseconds-Chronograph) oder hochkomplizierte Modelle sind seltene Sammlerstücke im fünf- bis sechsstelligen Bereich.
Ingenieur. Die historische Ingenieur SL „Jumbo“ (Ref. 1832, Genta-Design, 1976) ist ein Sammlerklassiker und liegt – je nach Zustand – bei 15.000 bis 35.000 Euro. Die 2023 neu aufgelegte Ingenieur Automatic 40 (Ref. IW328901, IW328902) hat das Design wieder aufgegriffen und liegt im Neupreis bei rund 11.500 bis 12.500 Euro.
Portofino. Die elegante Dresswatch (Automatic 40 mm, Ref. IW356501/IW356523) liegt bei 4.500 bis 6.000 Euro, der Portofino Chronograph bei etwa 6.000 bis 7.500 Euro. Im Sekundärmarkt eher konservativ bewertet, dafür stabil.
Aquatimer. Die Taucheruhr-Linie ist sammlertechnisch weniger spekulativ, aber bei Liebhabern technischer Detaillösungen (Innenlünette mit äußerer Drehkronenbetätigung) etabliert. Aktuelle Modelle liegen bei 6.000 bis 9.000 Euro.
Da Vinci und Komplikationen. IWC-Modelle mit ewigem Kalender, Tourbillon oder Minutenrepetition – etwa der Da Vinci Perpetual Calendar nach dem Kurt-Klaus-Mechanismus oder die Portugieser Sidérale Scafusia – sind hochpreisige Sammlerobjekte im fünf- bis sechsstelligen Bereich.
Worauf bei Bewertung und Echtheit zu achten ist
Werknummer und Kaliber. IWC dokumentiert seine Werke besonders akribisch. Anhand der Werknummer lässt sich das Baujahr in vielen Fällen auf das Jahr genau bestimmen – das IWC-Archiv in Schaffhausen stellt auf Anfrage einen Extract from the Archives aus, der als wertvolle Provenienz-Bestätigung gilt und den Marktwert oft spürbar hebt.
Originalzustand. Wie bei jeder hochwertigen Uhrenmarke senken später ersetzte Zifferblätter, neu lackierte Zeiger oder grobe Politur den Wert. Bei der Ingenieur SL etwa sind die scharf gefassten Gehäusekanten und die Tiefen der Lünettenbohrungen ein wichtiges Echtheits- und Zustandsindiz.
Box und Papiere. Auch bei IWC liegt der Aufschlag für ein „Full Set“ (Box, Garantiekarte, Anleitung, eventuell Servicebelege) bei rund 15 bis 25 Prozent.
Pilotenuhren mit Militärbestempelung. Bei Vintage-Pilotenuhren entscheidet die Frage nach der originalen militärischen Punzierung – etwa „6B/346″ oder die Broad Arrow der britischen Streitkräfte – ganz wesentlich über den Wert.
Wie läuft ein Ankauf bei Paul Grosslicht ab?
Der erste Schritt ist einfach: Schicken Sie uns Fotos der Uhr – Vorderseite, Rückseite, das Werk wenn möglich, vorhandene Box und Papiere. Auf Basis dieser Aufnahmen erhalten Sie eine erste Einschätzung, ob und in welchem Rahmen ein Ankauf möglich ist.
Bei konkretem Interesse kommt Paul Grosslicht persönlich zu Ihnen – vorwiegend in Ostösterreich, kurzfristige Termine sind möglich. Die Besichtigung und Bewertung sind kostenlos und unverbindlich. Für besondere Stücke kann ein Auszug aus dem IWC-Archiv in Schaffhausen beschafft werden.
Wenn beide Seiten sich einigen, kann die Abwicklung sehr rasch gehen. Eine Auszahlung noch am selben Tag ist in vielen Fällen möglich.
Warum Paul Grosslicht kontaktieren?
Paul Grosslicht betreibt den Wiener Kunsthandel seit über 35 Jahren – das Familienunternehmen in dritter Generation. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt im An- und Verkauf erlesener Antiquitäten und Kunstgegenstände, von Gemälden und Kunstobjekten bis hin zu Schmuck und Uhren. Fallweise besteht eine Kooperation mit dem Dorotheum in Wien, was für besondere Stücke zusätzliche Vermarktungswege eröffnet.
Ob aus einem Nachlass, einer aufzulösenden Sammlung oder als Einzelstück: Der Erstkontakt ist unverbindlich, die Bewertung kostenlos. Und wer keine Zeit verlieren möchte, bekommt rasch Klarheit.



