Patek Philippe – Uhren verkaufen und bewerten lassen
Die Manufaktur, an deren Preisen sich die ganze Uhrmacherei misst
Eine Patek Philippe in einem Wiener Nachlass ist selten Zufall. Solche Uhren werden meist bewusst gekauft, als Geschenk zu einem Jubiläum, zur Pensionierung, beim Verkauf eines Unternehmens. Manchmal liegen sie jahrzehntelang in einem Banksafe, bis sie nach einem Erbfall wieder auftauchen. Häufiger als bei jeder anderen Marke gilt: Wer eine Patek erbt, erbt zugleich eine Geschichte. Wer sie verkauft, sollte wissen, was er in Händen hält.
Patek Philippe ist die Manufaktur, an deren Auktionsergebnissen sich der gesamte Hochuhren-Markt orientiert. Vom unscheinbaren Calatrava aus den 1950er Jahren bis zur historischen Taschenuhr mit Grand Complication reicht die Spannweite. Die seriöse Bewertung verlangt deshalb mehr als einen Blick auf das Zifferblatt.
Patek Philippe – die Geschichte einer Manufaktur in Familienbesitz

Patek Philippe wurde 1839 in Genf von zwei polnischen Emigranten gegründet: dem Adeligen Antoni Patek und dem Uhrmacher François Czapek, beide auf der Flucht vor den russischen Repressionen nach dem polnischen Novemberaufstand. 1844 traf Patek auf der Pariser Industrieausstellung den französischen Uhrmacher Jean-Adrien Philippe, der zwei Jahre zuvor den schlüssellosen Aufzug per Krone erfunden hatte, ein Mechanismus, der das Aufziehen einer Taschenuhr ohne separaten Schlüssel ermöglichte und die Konstruktion von Armbanduhren erst praktikabel machen sollte.
1845 trennte sich Patek von Czapek, 1851 wurde die Firma als Patek, Philippe & Cie. neu gegründet. Im selben Jahr kaufte Königin Victoria beim Besuch der Londoner Weltausstellung eine kleine Anhängeruhr der jungen Genfer Manufaktur – der Beginn einer Tradition adeliger und großbürgerlicher Kundschaft, die bis ins 21. Jahrhundert reicht. 1868 fertigte Patek Philippe für die ungarische Gräfin Koscowicz eine der ersten Schweizer Armbanduhren überhaupt.
1932 stand das Unternehmen am Rand des Konkurses. Die Weltwirtschaftskrise hatte den Markt für Genfer Hochuhren weitgehend ausgelöscht. Die Brüder Charles und Jean Stern, Inhaber einer großen Zifferblattfabrik und Hauptlieferanten der Manufaktur, kauften Patek Philippe aus der Insolvenz. Ihre Nachfahren führen das Unternehmen bis heute: auf Charles Stern folgte Henri Stern, auf diesen Philippe Stern, seit 2009 leitet Thierry Stern als Präsident die Manufaktur in der vierten Generation der Familie.
Diese ununterbrochene Familienzugehörigkeit ist im obersten Segment der Schweizer Uhrenindustrie eine Seltenheit. Rolex gehört einer Stiftung; Vacheron Constantin, Cartier, IWC und Jaeger-LeCoultre sind Teil großer Luxuskonzerne. Patek Philippe ist die letzte unabhängige Genfer Manufaktur in Familienhand.
Die heute prägenden Modelle entstanden über fast ein Jahrhundert:
1932 stellte Patek Philippe die Calatrava vor, benannt nach dem spanischen Ritterorden, dessen Kreuz heute das Markenzeichen ist. Die Referenz 96 mit ihrem schlichten, runden Gehäuse und römischen Indizes definierte den Standard der eleganten Armbanduhr und wurde bis 1973 produziert.
1962 kam die Reference 3448, die erste automatische ewige Kalenderuhr in Serienproduktion. Patek Philippe hat seither die Konstruktion ewiger Kalender, Minutenrepetitionen, Schleppzeiger-Chronographen und Weltzeituhren auf ein Niveau gebracht, das im 21. Jahrhundert nur noch von wenigen Manufakturen erreicht wird.
1976 entwarf Gérald Genta auf einer Hotelserviette in Basel die Nautilus, inspiriert vom Bullauge eines Schiffes. Patek Philippe war zu jener Zeit fest mit eleganten Dresswatches assoziiert; die Nautilus, mit ihrem stählernen Gehäuse und integrierten Bracelet, traf auf einen Markt, der eine luxuriöse Sportuhr verlangte und ist heute eines der gesuchtesten Modelle der Manufakturgeschichte.
1997 folgte die Aquanaut als sportlicher Gegenpart, 1996 die Annual Calendar, die erste Komplikation, die einmal pro Jahr (am 1. März) manuell korrigiert werden muss, davor jeden Monat. Die Annual Calendar machte komplexe Kalenderuhren erstmals einem breiteren Publikum zugänglich.
1989 baute Patek Philippe zum 150. Firmenjubiläum das Kaliber 89, eine Taschenuhr mit 33 Komplikationen, lange Zeit als komplizierteste mechanische Uhr der Welt geltend. 2014 folgte zum 175-jährigen Jubiläum die Grandmaster Chime, eine Armbanduhr mit 20 Komplikationen.
Die Manufaktur produziert seit 1996 in Plan-les-Ouates bei Genf. Das Patek Philippe Museum in der Genfer Altstadt zeigt die Sammlung der Familie Stern – eine der bedeutendsten Sammlungen historischer Uhren überhaupt.
Warum sind Patek-Philippe-Uhren heute besonders gesucht?
Patek Philippe ist im obersten Segment der Schweizer Uhrenindustrie die kompromissloseste Marke. Die Manufaktur produziert nach eigenen Angaben rund 70.000 Uhren pro Jahr – ein Bruchteil der Rolex-Produktion und deutlich weniger als Vacheron Constantin oder Audemars Piguet. Jedes Werk durchläuft das Patek-Philippe-Siegel, ein eigenes Qualitätssiegel, das 2009 das Genfer Siegel ablöste und in mehreren Kriterien strenger ausgelegt ist.
Auf dem Auktionsmarkt führt Patek Philippe seit Jahrzehnten die Rekordlisten an. Die Henry Graves Supercomplication, eine Patek-Taschenuhr mit 24 Komplikationen aus dem Jahr 1933, erzielte 2014 bei Sotheby’s in Genf 23,2 Millionen Schweizer Franken – jahrelang der höchste Preis, der je für eine Uhr gezahlt wurde. Auch die Liste der teuersten Armbanduhren wird von Patek-Philippe-Vintage-Modellen dominiert: Referenz 1518 in Edelstahl, Referenz 2499 in Platin, frühe Nautilus-Modelle der Referenz 3700.
Im Wiener Dorotheum sind Patek Philippes regelmäßig in den Frühjahrs- und Herbstauktionen vertreten und erzielen für gut erhaltene Vintage-Modelle vier- bis sechsstellige Ergebnisse. Phillips „The Geneva Watch Auction“, Christie’s und Sotheby’s sind die internationalen Häuser, die Patek-Philippe-Spitzenstücke versteigern.
Welche Patek-Philippe-Modelle haben Sammlerwert?

Calatrava. Das Referenzmodell der eleganten Dresswatch. Die historische Referenz 96 (1932–1973) ist in mehreren hundert Werknummerngruppen produziert worden – Vintage-Exemplare in Gelbgold liegen je nach Zustand und Werknummer bei 8.000 bis 25.000 Euro, frühe Stücke mit besonderen Zifferblättern deutlich darüber. Die heutige Calatrava-Linie (Ref. 5196, 5227, 6119) bewegt sich im Neupreis bei 25.000 bis 45.000 Euro.
Nautilus. Die wohl bekannteste moderne Patek Philippe. Die historische Referenz 3700 (1976–1990, Genta-Design) ist Sammlerstandard und liegt je nach Material und Zustand bei 70.000 bis 200.000 Euro – frühe Stahlexemplare mit „A“-Seriennummern noch deutlich höher. Die Referenz 5711/1A (Stahl, 40 mm) wurde 2021 eingestellt und liegt am Sekundärmarkt seither zwischen 150.000 und 250.000 Euro, in den Boomjahren 2021/2022 zeitweise bei über 400.000 Euro. Komplikationen wie der Nautilus 5990 Travel Time Chronograph oder der 5980 Chronograph liegen am Markt deutlich im sechsstelligen Bereich.
Aquanaut. Die sportlichere Schwester der Nautilus mit dem charakteristischen Tropical-Kautschukband. Die Referenz 5167/1A in Stahl bewegt sich am Sekundärmarkt zwischen 60.000 und 90.000 Euro, die größere Referenz 5168G in Weißgold bei rund 90.000 bis 130.000 Euro. Der Aquanaut Travel Time 5164A und seine Nachfolger sind hochbegehrte Komplikationen.
Annual Calendar. Die seit 1996 produzierte Jahreskalender-Linie. Die Referenz 5396 (Jahreskalender mit Mondphase) und die Referenz 5905 (Jahreskalender-Chronograph) liegen bei 45.000 bis 75.000 Euro. Frühe Modelle der Referenz 5035 sind Sammlerstücke.
Ewige Kalender und Komplikationen. Die historische Referenz 1518 (1941–1954, ewiger Kalender-Chronograph) ist eines der gesuchtesten Modelle überhaupt – nur vier Stahlexemplare sind bekannt, eines davon erzielte 2016 bei Phillips über 11 Millionen Schweizer Franken. Die Referenz 2499 (1950–1985, ewiger Kalender-Chronograph, vier Serien) liegt je nach Serie und Material zwischen 400.000 Euro und mehreren Millionen. Die Referenz 5970 (2004–2011) als ihr moderner Nachfolger zwischen 130.000 und 250.000 Euro. Moderne ewige Kalender wie die Referenz 5327 oder 5236P liegen im Neupreis zwischen 100.000 und 180.000 Euro.
Weltzeituhren. Die Weltzeit-Komplikation hat Patek Philippe seit den 1930er Jahren mit dem Genfer Uhrmacher Louis Cottier entwickelt. Die historische Referenz 1415 ist ein Sammlerklassiker, die moderne Referenz 5230 liegt bei 60.000 bis 80.000 Euro im Neupreis.
Taschenuhren. Patek-Philippe-Taschenuhren des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sind eine eigene Welt. Einfache Goldgehäuse-Taschenuhren (offene oder Savonette) liegen bei 5.000 bis 15.000 Euro, Stücke mit Komplikationen (Repetition, ewiger Kalender, Chronograph) schnell im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Die seltensten historischen Komplikationen erreichen die höchsten je für Uhren erzielten Preise.
Worauf bei Bewertung und Echtheit zu achten ist
Werknummer und Gehäusenummer. Patek Philippe vergibt für jedes Werk eine eigene Nummer (oft sechs- bis siebenstellig) und für das Gehäuse eine zweite. Beide sollten zur Uhr passen und zur Patek-Philippe-Archivbestätigung abgeglichen werden. Das Archiv in Genf stellt auf Anfrage einen Auszug (oft englisch Extract from the Archives) aus, der das Baujahr, das ursprüngliche Modell und teilweise das ursprüngliche Verkaufsdatum dokumentiert. Dieser Auszug ist bei höherwertigen Patek Philippe ein faktischer Wertbestandteil, ohne ihn wird ein Verkauf schwieriger und der Preis liegt deutlich unter dem mit Auszug erzielbaren Wert.
Zifferblatt und Zeiger. Bei Vintage-Modellen ist die Originalität des Zifferblatts wertbestimmend. Patek Philippe hat über Jahrzehnte mit verschiedenen Zifferblatt-Manufakturen gearbeitet (unter anderem mit Stern Frères – jener Firma, die der heutigen Eigentümerfamilie gehörte). Restaurierte Zifferblätter, ausgetauschte Zeiger oder neu lackierte Indizes senken den Wert erheblich.
Box und Papiere. Mit Originalbox, Zertifikat (das berühmte Patek-Philippe-Zertifikat in Lederetui), Anleitung und gegebenenfalls Servicebelegen liegt der Wert oft 20 bis 40 Prozent über demselben Modell ohne Unterlagen. Bei sehr hochwertigen Vintage-Stücken kann der Unterschied noch größer sein.
Komplikationen prüfen. Bei ewigen Kalendern, Minutenrepetitionen und Chronographen ist die Funktionsprüfung ein eigener Schritt der Bewertung. Defekte Komplikationen senken den Wert erheblich, weil Reparaturen bei Patek Philippe im Manufaktur-Service vier- bis fünfstellige Beträge erreichen können.
Politur und Gehäusekanten. Patek-Philippe-Gehäuse sind in der Regel mit präzisen Kanten und klaren Übergängen zwischen polierten und gebürsteten Flächen gefertigt. Stark polierte oder weichgeschliffene Gehäuse signalisieren mehrfach durchgeführte Service-Politur und senken den Wert.
Fälschungen und „Frankenwatches“. Bei Patek Philippe gibt es ein breites Spektrum von Fälschungen, von plumpen Kopien bis zu hochwertigen Nachbauten, die ohne Werknummern-Abgleich und Archivauszug schwer als solche zu erkennen sind. Bei Vintage-Modellen werden zudem Originalteile aus mehreren Uhren zu einer „Frankenwatch“ zusammengefügt. Eine seriöse Bewertung schließt beide Möglichkeiten aus.
Wie läuft ein Ankauf bei Paul Grosslicht ab?
Der erste Schritt ist einfach: Schicken Sie uns Fotos der Uhr, Vorder- und Rückseite, das Werk wenn möglich, die Nummern am Gehäuse, vorhandene Box, Zertifikat und Papiere. Auf Basis dieser Aufnahmen erhalten Sie eine erste Einschätzung, ob und in welchem Rahmen ein Ankauf möglich ist.
Bei konkretem Interesse kommt Paul Grosslicht persönlich zu Ihnen, vorwiegend in Ostösterreich, kurzfristige Termine sind möglich. Die Besichtigung und Bewertung sind kostenlos und unverbindlich. Für hochwertige Patek-Philippe-Modelle empfiehlt sich der Termin am Geschäftssitz in der Piaristengasse, wo unter Lupe und mit den nötigen Hilfsmitteln in Ruhe geprüft werden kann. Für besondere Stücke kann ein Archivauszug aus Genf beschafft werden, die Anfrage benötigt einige Wochen, ist aber bei höherwertigen Stücken ein faktischer Wertbestandteil.
Wenn beide Seiten sich einigen, kann die Abwicklung sehr rasch gehen. Eine Auszahlung noch am selben Tag ist in vielen Fällen möglich. Bei sechsstelligen Stücken oder seltenen Vintage-Modellen ist häufig eine Vermittlung an internationale Sammler oder die Einlieferung in eine spezialisierte Auktion die sinnvollere Variante als der direkte Ankauf – auch das wird im Gespräch geklärt.
Warum Paul Grosslicht kontaktieren?
Paul Grosslicht betreibt den Wiener Kunsthandel seit über 35 Jahren, das Familienunternehmen in dritter Generation. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt im An- und Verkauf erlesener Antiquitäten und Kunstgegenstände, von Gemälden und Kunstobjekten bis hin zu Schmuck und Uhren. Fallweise besteht eine Kooperation mit dem Dorotheum in Wien, was für besondere Stücke zusätzliche Vermarktungswege eröffnet.
Ob aus einem Nachlass, einer aufzulösenden Sammlung oder als Einzelstück: Der Erstkontakt ist unverbindlich, die Bewertung kostenlos. Und wer keine Zeit verlieren möchte, bekommt rasch Klarheit.



