Hermann Nitsch – Schüttbilder, Gemälde, Reliktwerke und Grafiken verkaufen und bewerten lassen
Die Farbe, die zur Aktion wurde
Wer vor einem Schüttbild von Hermann Nitsch steht, sieht keine gemalte Darstellung, sondern die Spur eines Geschehens. Aus Kübeln gegossene Farbe und Blut sind die Leinwand hinuntergelaufen, von Hand verteilt, gedrückt, geschleudert. Was bleibt, ist das erstarrte Bild eines Vorgangs. Genau das macht Nitschs Werk aus: Die Malerei ist bei ihm nie Selbstzweck, sondern Teil eines weit größeren Ganzen, des Orgien Mysterien Theaters.
Nitsch gilt als der bedeutendste Vertreter des Wiener Aktionismus und als einer der international meistbeachteten österreichischen Künstler der Nachkriegszeit. Seine Arbeiten hängen im mumok, in der Albertina, im Museum of Modern Art in New York und in zwei eigenen Museen. Am Auktionsmarkt erzielen seine Werke verlässliche und im Spitzenbereich sechsstellige Preise.
Wer war Hermann Nitsch?
Hermann Nitsch wurde am 29. August 1938 in Wien geboren und wuchs nach dem Kriegstod des Vaters bei seiner Mutter in Großjedlersdorf auf. Er besuchte die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, schloss sie mit Diplom ab und arbeitete ab 1957 zunächst als Gebrauchsgrafiker am Technischen Museum. Im selben Jahr entwarf er die erste Idee des Orgien Mysterien Theaters, eines auf sechs Tage angelegten Festspiels, in dem sich von da an sein gesamtes künstlerisches Denken sammeln sollte.
Um 1960 kehrte Nitsch zur Malerei zurück und schuf seine ersten Schüttbilder. 1962 realisierte er gemeinsam mit Otto Muehl und Adolf Frohner die dreiteilige Aktion Die Blutorgel, zu der ein Manifest erschien. Mit ihr gilt der Wiener Aktionismus als geboren, jene Bewegung, die Nitsch zusammen mit Günter Brus, Otto Muehl und Rudolf Schwarzkogler prägte. Die Aktionen, in denen Blut, geschlachtete Lämmer und der Einsatz aller Sinne im Mittelpunkt standen, lösten heftige Reaktionen aus und brachten Nitsch wiederholt in Konflikt mit den Behörden, mehrfach auch ins Gefängnis.
Der internationale Durchbruch kam 1966 mit der Teilnahme am Destruction in Art Symposium in London, gefolgt von Aktionen in New York ab 1968. 1971 erwarb Nitsch das niederösterreichische Schloss Prinzendorf an der Zaya, das zum Lebensmittelpunkt und zur Bühne seines Gesamtkunstwerks wurde. 1972 und 1982 war er auf der documenta in Kassel vertreten, 1972 in der von Harald Szeemann kuratierten Abteilung Individuelle Mythologien. Den Höhepunkt seines Lebenswerks bildete das große 6-Tage-Spiel im Sommer 1998 in Prinzendorf, an dem rund 500 Mitwirkende beteiligt waren.
Nitsch lehrte von 1988 bis 2003 an der Städelschule in Frankfurt und unterrichtete an der Internationalen Sommerakademie in Salzburg. 2005 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis für Bildende Kunst. 2007 eröffnete das nitsch museum in Mistelbach, 2008 das Museo Hermann Nitsch in Neapel, 2009 folgte die Nitsch Foundation in Wien. Er war nicht nur Maler und Aktionist, sondern auch Komponist und Bühnenbildner. Hermann Nitsch starb am 18. April 2022 in Mistelbach.
Warum sind Werke von Hermann Nitsch heute im Kunsthandel gefragt?
Nitschs Markt ruht auf einem stabilen Fundament: anhaltende museale Präsenz, ein klar dokumentiertes Werk und eine internationale Sammlerschaft, die seinen Stellenwert nicht infrage stellt.
Den Höchstwert markiert bislang ein rotes Schüttbild aus dem Jahr 1961, das im Dezember 2020 bei Ketterer Kunst in München 600.000 Euro erzielte, das bis dahin höchste Auktionsergebnis für einen Nitsch. Das frühe Werk Ölberg von 1960 brachte im selben Jahr bei Sotheby’s rund 396.500 Euro. Solche Spitzenpreise gelten den seltenen, frühen Arbeiten aus den 1960er-Jahren.
Den breiten Markt bildet das umfangreiche spätere Werk. Beim Wiener Auktionshaus im Kinsky bewegen sich Schüttbilder regelmäßig im fünfstelligen bis niedrig sechsstelligen Bereich, mit Ergebnissen von rund 35.000 Euro für mittlere Formate bis über 130.000 Euro für besonders gefragte Arbeiten. Reine Grafiken und Editionen sind deutlich erschwinglicher und wechseln bei Häusern wie Van Ham häufig zwischen rund 6.000 und 22.000 Euro den Besitzer.
Nitschs Arbeiten tauchen verlässlich bei Dorotheum und im Kinsky in Wien sowie bei Ketterer, Van Ham, Sotheby’s und Christie’s auf. Diese Marktbreite, von der signierten Lithografie bis zum großformatigen Schüttbild, macht ihn für Erben wie für Sammler gleichermaßen interessant.
Wie erkenne ich ein Werk von Hermann Nitsch?
Schüttbilder: Das Kernwerk. Acryl und meist Tierblut, auf eine an der Wand lehnende oder hängende Leinwand gegossen und von Hand bearbeitet. Charakteristisch sind die Rinnspuren von oben nach unten und die haptische, oft pastose Oberfläche. Die Farbe ist überwiegend ein tiefes Blutrot, daneben gibt es schwarze Arbeiten und im Spätwerk farbigere Kompositionen.
Malhemden und Reliktwerke: Aus den Aktionen stammen Relikte wie blutbesudelte Tücher, Bahren, Messgewänder und vor allem die sogenannten Malhemden. Ein in das Bild integriertes oder beigefügtes Hemd kann den Wert eines Werkes spürbar erhöhen, weil es die direkte Verbindung zur Aktion belegt.
Grafik und Editionen: Lithografien, Radierungen und Siebdrucke, meist signiert und nummeriert. Bekannt ist das große Grafikwerk Die Architektur des Orgien Mysterien Theaters, das zwischen 1984 und 1993 bei der Galerie Fred Jahn in München erschien. Auch Mappenwerke und übermalte Lithografien sind gesucht.
Signatur: Werke sind in der Regel rückseitig mit Hermann Nitsch signiert und datiert. Die Vorderseite trägt häufig keine Signatur.
Echtheit und Provenienz: Bei höherwertigen Arbeiten liegt oft eine Expertise des Ateliers beziehungsweise Archivs Hermann Nitsch bei, vielfach mit einer Archivnummer. Eine lückenlose Herkunft, etwa der direkte Erwerb beim Künstler oder über die Nitsch Foundation, wirkt sich deutlich auf den Wert aus. Gerade weil Nitschs Material ungewöhnlich ist, ist die fachkundige Prüfung von Echtheit und Zustand hier besonders wichtig.
Wie läuft ein Ankauf bei Paul Grosslicht ab?
Der erste Schritt ist unkompliziert: Schicken Sie uns Fotos des Werkes, am besten Vorderseite, Rückseite mit Signatur und Datierung sowie eventuell vorhandene Unterlagen wie Expertisen, Rechnungen oder Galeriebelege. Auf dieser Grundlage erhalten Sie eine erste Einschätzung, ob und unter welchen Bedingungen ein Ankauf möglich ist.
Bei konkretem Interesse kommt Paul Grosslicht persönlich zu Ihnen, vorwiegend in Ostösterreich, kurzfristige Termine sind möglich. Besichtigung und Bewertung sind kostenlos und unverbindlich, die Abwicklung diskret. Auf Wunsch beraten wir auch dazu, ob ein direkter Ankauf oder die Vermittlung über das Auktionsnetzwerk der sinnvollere Weg ist.
Sind sich beide Seiten einig, kann die Abwicklung rasch gehen. Eine Auszahlung noch am selben Tag ist in vielen Fällen möglich.
Warum Paul Grosslicht kontaktieren?
Paul Grosslicht betreibt den Wiener Kunsthandel seit über 35 Jahren, das Familienunternehmen in dritter Generation. Der Schwerpunkt liegt im An- und Verkauf erlesener Antiquitäten und Kunstgegenstände, von Gemälden und Bildern über Kunstobjekte bis hin zu Schmuck und Uhren. Fallweise besteht eine Kooperation mit dem Dorotheum in Wien, was für besondere Werke zusätzliche Vermarktungswege eröffnet.
Bei einem Künstler wie Hermann Nitsch entscheidet die genaue Kenntnis von Werkphasen, Materialität und Provenienz über den Wert. Ein frühes Schüttbild, ein Werk mit Hemd oder eine seltene Edition verlangen jeweils eine eigene Einschätzung. Hier macht langjährige Marktkenntnis den Unterschied zwischen einer Schätzung, die den echten Wert trifft, und einer, die ihn verfehlt. Der Erstkontakt ist unverbindlich, die Bewertung kostenlos.



