Antiquitäten verkaufen: 7 Irrtümer, die Erben teuer zu stehen kommen

Wer in Österreich eine Verlassenschaft übernimmt, steht meist vor derselben Frage: Was davon ist wertvoll, und was kann weg? Rund um den Antiquitätenankauf halten sich hartnäckige Annahmen, die Erben bares Geld kosten, in beide Richtungen. Mal wird Wertloses gehütet, mal wird Wertvolles verschenkt. Dieser Ratgeber räumt mit den sieben häufigsten Irrtümern auf, jeweils mit der nüchternen Marktrealität und einem praktischen Hinweis für Ihren Verkauf.

Auf einen Blick: Diese sieben Annahmen führen in die Irre.

  1. Alter allein bestimmt nicht den Wert. Epoche, Qualität und Herkunft tun es.
  2. Online-Angebotspreise sind keine Verkaufspreise.
  3. Aus Pietät alles zu behalten ist selten die beste Lösung.
  4. Eine Räumungsfirma ist kein Kunsthändler.
  5. Eine Auktion bringt nicht automatisch den höchsten Erlös.
  6. Altes Silber ist oft weit mehr wert als sein Materialwert.
  7. Reinigen oder Restaurieren vor der Bewertung kann den Wert mindern.

Irrtum 1: „Je älter, desto wertvoller“

Die Annahme: Ein Möbelstück aus dem 19. Jahrhundert muss schon deshalb viel wert sein, weil es alt ist.

Die Realität: Alter allein sagt wenig über den Marktwert. Ein Empire-Schrank aus Mahagoni mit originalen Messingbeschlägen (um 1810 bis 1830) ist bei Sammlern bis heute gefragt. Eine Historismus-Kommode aus dem späten 19. Jahrhundert hat trotz ähnlichen Alters oft nur Dekorationswert. Entscheidend sind Epoche, handwerkliche Qualität und Provenienz (die nachweisbare Herkunft eines Stücks), nicht das Baujahr.

Dasselbe gilt für Jugendstil und Art déco. Ein Glasobjekt von René Lalique aus den 1920er Jahren kann einen höheren Marktwert haben als ein gut 70 Jahre älteres Ölgemälde eines unbekannten Malers von 1850. Nicht das Datum zählt, sondern Name, Stil und Zustand.

Tipp für Erben: Lassen Sie sich von der Jahreszahl nicht blenden. Ein Empire-Spiegel aus der Zeit Kaiser Franz‘ I. kann ein kleines Vermögen wert sein, während die spätere Nachahmung aus der Gründerzeit nur ihr Alter zeigt, nicht ihren Wert.

Irrtum 2: „Der Preis im Internet ist der Marktwert“

Die Annahme: Ich sehe auf willhaben einen ähnlichen Empire-Tisch für 3.500 Euro, also ist meiner auch so viel wert.

Die Realität: Angebotspreise sind keine Verkaufspreise. Was online steht, ist häufig der Wunschpreis eines Verkäufers, der seit Monaten auf einen Käufer wartet. Der tatsächliche Ankaufspreis, den ein Fachhändler zahlt, orientiert sich am realistisch erzielbaren Wiederverkaufswert, abzüglich Restaurierungs- und Lagerkosten sowie der Zeit, die ein Stück bis zum Weiterverkauf bindet.

Auch der Vergleich mit Auktionsergebnissen täuscht leicht. Die Preise, die online als „erzielt“ erscheinen, enthalten oft das Aufgeld des Käufers. Vom Erlös des Einlieferers wird dagegen die Verkäuferkommission abgezogen. Der Nettobetrag, der bei Ihnen ankommt, liegt also spürbar unter der Zahl, die in der Ergebnisliste steht.

Tipp für Erben: Vergleichen Sie realistisch. Ein professioneller Ankauf bringt nicht den Wunschpreis aus dem Internet, dafür eine verbindliche Zusage und, wenn gewünscht, sofortige Zahlung ohne Wartezeit und ohne Verkaufsaufwand.

Irrtum 3: „Ich muss alles behalten, sonst bin ich ein schlechter Erbe“

Die Annahme: Aus Pietät darf ich nichts verkaufen, also stelle ich alles in den Keller.

Die Realität: Sentimentaler Wert und wirtschaftlicher Wert sind zwei verschiedene Dinge. Wenn Sie keinen Platz für einen kompletten Empire-Salon haben oder die Versicherung für ungenutzten Schmuck Jahr für Jahr Geld kostet, ist ein Verkauf an einen Fachmann oft die respektvollere Lösung. Ein Stück, das bei einem Sammler ein neues Zuhause findet, ist besser aufgehoben als eines, das im Keller verstaubt.

Tipp für Erben: Behalten Sie das eine Erinnerungsstück, das Ihnen wirklich am Herzen liegt, und geben Sie den Rest in faire Hände. Der Erlös lässt sich sinnvoller nutzen als ein Dachboden voller ungenutzter Möbel.

Entrümpelung und Räumung von Verlassenschaften in Wien

Irrtum 4: „Der Entrümpler nimmt alles mit und zahlt dafür sogar Geld“

Die Annahme: Ich rufe eine Räumungsfirma, die nimmt die wertvollen Stücke mit, zahlt mich dafür und entsorgt den Rest gratis.

Die Realität: Hier wird Entsorgung mit Ankauf verwechselt. Eine seriöse Räumungsfirma entsorgt Sperrmüll, sie ist kein Kunsthändler. Bietet ein Entrümpler Ihnen für „alte Sachen“ Geld an, besteht die Gefahr, dass er wertvolle Stücke (Empire-Möbel, Jugendstil-Leuchten, Silberkonvolute) als vermeintlich wertlosen Restbestand mitnimmt und später mit Gewinn weiterverkauft.

Tipp für Erben: Trennen Sie Räumung und Wertermittlung. Lassen Sie zuerst einen spezialisierten Ankauf das Wertvolle herausfiltern. Erst danach entrümpeln Sie den Rest.

Irrtum 5: „Bei der Auktion erziele ich immer den höchsten Preis“

Die Annahme: Ich gebe alles beim Auktionshaus ein, dort wird es zum besten Preis verkauft.

Die Realität: Auktionen haben ihren Platz, aber auch ihre Kosten und Risiken. Beim Dorotheum, dem größten Auktionshaus Mitteleuropas, sollte ein Objekt bei einer Katalogauktion rund drei Monate vor dem Termin eingeliefert sein. Vom erzielten Meistbot wird Ihre Verkäuferkommission abgezogen, dazu können Kataloggebühren kommen. Erreicht ein Stück sein vereinbartes Limit nicht, bleibt es unverkauft und kommt zurück. Bei mittelpreisigen Möbeln oder Silber steht der Aufwand oft in keinem guten Verhältnis zum Mehrerlös.

Genau deshalb ist der Direktankauf nicht grundsätzlich besser oder schlechter, sondern eine Frage des Objekts. Bei seltenen, hochwertigen oder international gefragten Werken kann die Auktion mehr bringen. Für den soliden Durchschnitt aus einer Verlassenschaft ist der direkte Verkauf meist schneller, planbarer und ohne das Risiko des Rückläufers. Wir arbeiten fallweise mit dem Dorotheum zusammen und sagen Ihnen offen, wenn der Auktionsweg für ein bestimmtes Stück der sinnvollere ist.

Tipp für Erben: Lassen Sie vor der Entscheidung einschätzen, ob ein Objekt überhaupt auktionstauglich ist. Nicht jedes Stück gehört in den Katalog, und ein Rückläufer kostet Zeit, ohne etwas einzubringen.

Irrtum 6: „Altes Silberbesteck ist nur den Materialwert wert“

Die Annahme: Silber wird nach Gewicht bezahlt, also bekomme ich ungefähr den Schmelzwert.

Die Realität: Bei vielen Objekten übersteigt der handwerkliche und künstlerische Wert den reinen Materialwert um ein Vielfaches. Entscheidend sind die Punzen (die eingeschlagenen Feingehalts- und Herstellermarken) und die Manufaktur. Tafelsilber von J.C. Klinkosch, Objekte der Wiener Werkstätte oder Entwürfe von Georg Jensen erzielen Preise, die mit dem bloßen Silberwert nichts zu tun haben. Wer ein solches Stück nach Gewicht verkauft, verschenkt unter Umständen den größten Teil seines Wertes.

Tipp für Erben: Drehen Sie das Besteck um und suchen Sie nach Stempeln, bevor Sie es weggeben. Eine genaue Wertermittlung erfahren Sie auf unserer Seite zum Silberankauf. Eine sachkundige Begutachtung der Punzen entscheidet oft über den Unterschied zwischen Schmelzwert und Sammlerpreis.

Irrtum 7: „Reinigen und Restaurieren steigern den Wert“

Die Annahme: Ich poliere das Silber auf Hochglanz und lasse die Kommode neu lackieren, dann verkauft es sich besser.

Die Realität: Oft ist das Gegenteil der Fall. Bei Antiquitäten gilt die originale Oberfläche, die Patina, häufig als wertbestimmend. Überpoliertes Silber verliert seine gewachsene Tönung, eine neu lackierte Biedermeier-Kommode verliert ihre originale Politur, eine übermalte Stelle auf einem Gemälde kann den Wert drastisch senken. Was gut gemeint ist, mindert den Sammlerwert, und gut gemeinte Reparaturen lassen sich selten rückgängig machen.

Tipp für Erben: Reinigen oder restaurieren Sie nichts, bevor ein Fachmann das Stück gesehen hat. Im Zweifel ist der Originalzustand das Wertvollere.

So ermitteln Sie den wahren Wert

Die gute Nachricht hinter allen sieben Irrtümern: Sie müssen den Markt nicht selbst kennen, um fair zu verkaufen. Eine fundierte Erstbewertung kostet Sie nichts und schützt Sie vor genau den Fehlern, die oben beschrieben sind.

Der Ablauf ist unkompliziert. Sie schildern, worum es geht, gerne mit Fotos. Bei größeren Verlassenschaften kommen wir zu Ihnen nach Wien oder in den ostösterreichischen Raum [Service-Gebiet bestätigen] und begutachten die Stücke vor Ort. Sie erhalten eine nachvollziehbare Einschätzung mit dem Hintergrund, warum ein Stück wertvoll ist und welcher Weg, Direktankauf oder Auktion, sich für welches Objekt anbietet. Entscheiden Sie sich für den Verkauf, ist eine Auszahlung auf Wunsch noch am selben Tag möglich.

Paul Grosslicht, Kunsthandel Wien

In dritter Generation kaufen wir Gemälde, Antiquitäten, Schmuck, Uhren und ganze Verlassenschaften an. Wir nehmen uns Zeit für die Geschichte hinter den Objekten, erklären unsere Einschätzung transparent und setzen Sie nie unter Zeitdruck. Was wertvoll ist, was Erinnerung bleiben sollte und was tatsächlich Entsorgung ist, klären wir gemeinsam und ehrlich.

Eine erste Einschätzung ist kostenlos und unverbindlich.

Kontakt:
Paul Grosslicht – Kunsthandel Wien
Telefon +43 699 101 97 359
Message per WhatsApp WhatsApp
E-Mail office@grosslicht.at
Kontaktformular

Hinweis: wir besichtigen gerne in ganz Österreich und im nahem Ausland. Fragen Sie bitte an.

Häufige Fragen zum Antiquitätenankauf

Was ist meine geerbte Antiquität wert?

Der Wert hängt von Epoche, Qualität, Zustand und Herkunft ab, nicht vom Alter allein. Zwei gleich alte Stücke können sich im Wert um ein Vielfaches unterscheiden. Eine sachkundige Bewertung klärt das innerhalb kurzer Zeit. Eine erste Einschätzung erhalten Sie bei uns kostenlos.

Kostet eine Bewertung etwas?

Nein. Eine Erstbewertung Ihrer Stücke ist bei uns kostenlos und unverbindlich, auch wenn Sie sich danach gegen einen Verkauf entscheiden.

Wie läuft der Ankauf ab?

In der Regel in drei Schritten: erste Einschätzung anhand Ihrer Schilderung und Fotos, Begutachtung vor Ort oder in der Galerie, dann ein konkretes Ankaufsangebot. Entscheiden Sie sich für den Verkauf, ist die Auszahlung auf Wunsch noch am selben Tag möglich.

Kommen Sie auch zu mir nach Hause?

Ja. Bei größeren Verlassenschaften kommen wir zu Ihnen in ganz Österreich. So müssen Sie nichts transportieren, bevor der Wert geklärt ist.

Soll ich Möbel oder Silber vor der Bewertung reinigen?

Nein. Reinigen, Polieren oder Restaurieren kann den Wert mindern, weil bei Antiquitäten die originale Oberfläche und Patina oft wertbestimmend sind. Lassen Sie die Stücke so, wie sie sind, bis ein Fachmann sie gesehen hat.

Verkaufe ich besser direkt oder über eine Auktion?

Das hängt vom Objekt ab. Seltene oder international gefragte Werke können über eine Auktion mehr bringen. Für den soliden Durchschnitt aus einer Verlassenschaft ist der Direktankauf meist schneller und planbarer, ohne Wartezeit und ohne das Risiko, dass ein Stück unverkauft zurückkommt.

Muss ich gleich die ganze Verlassenschaft verkaufen?

Nein. Sie entscheiden, was Sie behalten und was Sie abgeben. Oft empfehlen wir sogar, ein persönliches Erinnerungsstück zu behalten, auch wenn es einen Marktwert hat.

Wie erkenne ich wertvolles Silber?

An den Punzen, den eingeschlagenen Feingehalts- und Herstellermarken auf der Unterseite. Stücke bekannter Manufakturen wie J.C. Klinkosch oder der Wiener Werkstätte sind oft ein Vielfaches ihres Materialwerts wert. Verkaufen Sie altes Silber daher nie ungeprüft nach Gewicht.