Artur Nikodem Gemälde verkaufen und bewerten lassen
Der Maler des Tiroler Lichts
Werke von Artur Nikodem tauchen in Wiener Nachlässen häufig dort auf, wo eine Familie Verbindungen zu Tirol oder Südtirol hatte. Ein Bild vom Eisacktal oder vom Pustertal über dem Esszimmertisch, eine Landschaftsstudie aus Meran in der Bibliothek, ein Aquarell mit Blick auf den Gardasee, signiert mit „A. Nikodem“. Manchmal sind die Bilder direkt aus dem Künstlernachlass oder über eine der zahlreichen Ausstellungen der Zwischenkriegszeit in den Wiener Privatbesitz gekommen, oft auch über die enge Beziehung zwischen Wiener und Innsbrucker Sammlerkreisen.
Nikodem gilt heute als einer der wichtigsten Vertreter der Klassischen Moderne in Tirol. Nach dem Tod seines Freundes Albin Egger-Lienz im Jahr 1926 wurde er allgemein als der bedeutendste lebende Tiroler Maler angesehen. Seine Werke erzielen bei spezialisierten Auktionen heute stabil hohe Preise. Wer ein Bild von ihm im Familienbesitz hat, sollte es vor einem Verkauf einschätzen lassen, weil die Preisspanne von wenigen hundert Euro für kleine Skizzen bis weit in den fünfstelligen Bereich für die großen Ölbilder reicht.
Wer war Artur Nikodem?
Artur Nikodem wurde am 6. Februar 1870 in Trient geboren. Sein Vater Hugo Nikodem war k.u.k. Offizier im damals österreichischen Trient, seine Mutter Luisa de Bonamico stammte aus dem venezianischen Adel. Diese Doppelung von militärisch-österreichischer und italienischer Herkunft prägte Nikodems gesamtes Leben. Er bewegte sich künstlerisch zwischen Mitteleuropa und Italien, zwischen Tirol und dem Mittelmeerraum.
Von 1885 bis 1888 besuchte er die Oberrealschule in Innsbruck, gegen den Willen seiner Eltern wechselte er anschließend an die Akademie der Bildenden Künste in München, wo er bei Franz von Defregger und Wilhelm von Kaulbach studierte. Wichtiger als der Akademieunterricht waren ihm allerdings die Sammlungen der Glyptothek und der Münchner Pinakothek, in denen er die alte Meister und die antike Skulptur studierte. Es folgten Studienjahre in Mailand beim Maler Campestrini und in Florenz.
1889 trat Nikodem in die k.u.k. Kriegsmarine ein, sein Dienst führte ihn durch das gesamte östliche Mittelmeer bis nach Ägypten. 1892 hielt er sich in Paris auf, wo er sich mit den damals aktuellen Strömungen der Kunst auseinandersetzte. Die Begegnung mit den Werken von Paul Cézanne und Auguste Rodin war für seine spätere Entwicklung prägend, weil sie ihm einen Weg jenseits der historisierenden Akademiemalerei aufzeigte.
Nach dem Tod seines Vaters 1892 war Nikodem gezwungen, einen Brotberuf zu suchen. Er trat in den staatlichen Postdienst ein und zog 1893 nach Meran, wo er die folgenden rund fünfzehn Jahre verbrachte. In Meran schloss er sich dem Meraner Künstlerbund an und stellte regelmäßig in dessen Ausstellungen aus.
1908 übersiedelte er nach Innsbruck, wo er bis zu seinem Tod 1940 lebte und arbeitete. In diesen Jahren entwickelte sich seine eigentliche künstlerische Reife. Die Wurzeln seiner Malerei lagen im Wiener Jugendstil und im Sezessionismus, mit denen er sich besonders auf seinen Wien-Aufenthalten auseinandergesetzt hatte. Um 1913 erreichte er eine erste eigene Synthese: impressionistische Lichtbehandlung kombiniert mit dem dekorativen Element der Sezessionskunst, dazu erotische Sujets, die er in dieser Phase intensiv durchspielte.
Der entscheidende biografische Einschnitt war der Erste Weltkrieg. Von 1916 bis 1919 versah Nikodem seinen Militärdienst als Telegrafist in Konstantinopel (Istanbul). Die orientalische Bilderwelt, die ornamentale Tradition der osmanischen Kunst und die intensive Lichtfarbe des östlichen Mittelmeers brachten ihn künstlerisch zu einer neuen Sprache. Nach der Rückkehr aus dem Krieg wagte er den Schritt zum freischaffenden Künstler. In den nun folgenden Jahren entstand jene Malerei, die heute als sein Hauptwerk gilt: großflächige stilisierte Landschaften, in denen die Tiroler Motive in der Tradition des Expressionismus zur großen Form geführt sind, oft mit schwarzen Konturlinien wie in gotischer Glasmalerei umrahmt.
Die Anerkennung folgte rasch. 1925 und 1926 nahm Nikodem an der großen Wanderausstellung „Tiroler Künstler“ teil, die in zahlreichen deutschen Städten gezeigt wurde. 1927 stellte er in Bern und Wien aus, 1928 in Nürnberg und Zürich. Mit dem Tod von Albin Egger-Lienz im Jahr 1926, mit dem ihn eine enge Freundschaft verbunden hatte, galt Nikodem allgemein als der wichtigste lebende Tiroler Maler.
Die letzten Lebensjahre waren überschattet vom Nationalsozialismus. Nach dem Anschluss 1938 verschwanden Nikodems Ausstellungsmöglichkeiten weitgehend, er arbeitete bis zu seinem Tod am 10. Februar 1940 in Innsbruck nur noch im privaten Rahmen.
Neben seinem malerischen Werk hinterließ Nikodem auch ein bedeutendes fotografisches Œuvre. Während des Konstantinopel-Aufenthalts hatte er begonnen, sich intensiv mit der Fotografie zu beschäftigen, und führte diese Tätigkeit nach dem Krieg fort. Sein fotografisches Werk wurde erst spät, vor allem durch die Arbeit von Peter Weiermair, als eigenständige künstlerische Leistung wahrgenommen.
Warum sind Werke von Artur Nikodem heute im Kunsthandel gefragt?

Drei Faktoren prägen die anhaltende Nachfrage nach Nikodems Werken.
Erstens die Position innerhalb der Tiroler Klassischen Moderne. Nikodem steht zwischen Albin Egger-Lienz, dessen Pathos und monumentale Strenge er teilweise teilte, und der lichteren impressionistischen Tradition. Diese Verbindung macht ihn zu einer Schlüsselfigur, ohne die das Tiroler Kunstschaffen der Zwischenkriegszeit nicht zu verstehen ist. Sammler des Tiroler Expressionismus und der österreichischen Klassischen Moderne suchen Nikodem-Werke gezielt.
Zweitens die stilistische Vielfalt des Werks. Nikodem hat über fünf Jahrzehnte hinweg sehr unterschiedliche Phasen durchlaufen: vom akademischen Frühwerk über die jugendstilbeeinflusste Mittelphase mit erotischen Sujets, die orientalisch geprägte Konstantinopel-Periode, bis zu den stilisierten Tiroler Landschaften der späten Jahre. Diese Vielfalt macht das Werk für unterschiedliche Sammlerinteressen anschlussfähig.
Drittens die wissenschaftliche Aufarbeitung der letzten Jahre. Mit der Dissertation von Gertraud Jestl-Horngacher (2003), den Publikationen von Elio Krivdic und Günther Dankl (2017 und 2018) sowie der Verwaltung des Nachlasses durch die Tiroler Landesmuseen (Ferdinandeum) ist Nikodems Werk heute deutlich besser dokumentiert als noch vor zwanzig Jahren. Diese wissenschaftliche Grundlage erleichtert die Provenienzforschung und die Echtheitsprüfung erheblich.
Im Auktionsmarkt sind Nikodem-Werke regelmäßig im Dorotheum (Wien und Salzburg) sowie bei Im Kinsky in Wien vertreten, gelegentlich auch bei deutschen Häusern wie Lempertz in Köln oder Van Ham. Die Bandbreite der Ergebnisse ist groß: kleine Bleistiftzeichnungen und Aquarellskizzen liegen meist im niedrigen dreistelligen bis vierstelligen Bereich, Aquarelle mittlerer Größe zwischen 1.500 und 8.000 Euro, kleinere Ölbilder zwischen 4.000 und 15.000 Euro. Größere Ölgemälde der reifen Periode haben in den letzten Jahren regelmäßig zwischen 13.000 und 25.000 Euro erzielt, und Spitzenstücke wie das Bild „Lerchen im Schnee“ (1919, 74 × 66 cm, Öl-Tempera auf Leinwand) erreichten bei Dorotheum-Auktionen Werte von über 70.000 Euro.
Wie erkenne ich ein Werk von Artur Nikodem?
Motive. Das Werk gliedert sich grob in fünf Hauptmotivgruppen: Tiroler Landschaften (Süd- und Nordtirol, Vinschgau, Eisacktal, Pustertal, Ötztal, Innsbruck), Italienische Motive (Trient, Verona, Venedig, der Gardasee), Orientalische Bilder aus der Konstantinopel-Periode, Aktdarstellungen und erotische Sujets vor allem aus der Phase um 1913 bis 1918, sowie Porträts und Selbstporträts. Die Tiroler Landschaften der späten Periode, oft stilisiert und mit klarer Flächenaufteilung, sind die bekannteste Werkgruppe.
Format. Nikodem arbeitete in sehr unterschiedlichen Formaten. Ölgemälde der reifen Periode liegen meist im Bereich von 30 × 30 cm bis 100 × 100 cm, Aquarelle in der Regel zwischen DIN A4 und 50 × 70 cm, dazu zahlreiche kleinere Bleistiftzeichnungen und Skizzen. Sein bevorzugter Bildträger für Ölgemälde war oft Karton, zum Teil auch auf Holz oder Pappe kaschierte Leinwand.
Technik. Nikodem arbeitete in Öl, Öl-Tempera-Mischtechnik, Aquarell, Gouache und Bleistift. Die Öl-Tempera-Technik mit ihrer matten Oberfläche und der intensiven Farbwirkung ist besonders charakteristisch für seine reifen Werke. Die schwarzen Konturlinien, die er nach der Konstantinopel-Periode entwickelte, sind ein wiederkehrendes Stilmerkmal.
Stil. Die wichtigsten Stilmerkmale unterscheiden sich nach Werkphase. Frühwerke (vor 1908) sind impressionistisch geprägt, mit lockerer Pinselführung und atmosphärischer Lichtbehandlung. Die Phase um 1913 bis 1916 zeigt sezessionistisches dekoratives Element, oft mit ornamental aufgefassten Bildflächen. Die Periode nach Konstantinopel (ab 1919) bringt die stilisierte, flächenhafte Behandlung mit schwarzen Konturen. In den 1920er Jahren näherte sich Nikodem in manchen Werken dem Expressionismus seines Freundes Albin Egger-Lienz an, ohne dessen Pathos und monumentale Härte ganz zu übernehmen.
Signatur. Nikodem signierte meist „A. Nikodem“ oder „Nikodem“, oft auf der Vorderseite unten rechts, gelegentlich auch auf der Rückseite. Datierungen finden sich vor allem auf späten Werken. Auf vielen Werken ist auf der Rückseite ein Klebezettel mit Adressangaben des Künstlers angebracht („A. Nikodem, Meran“ für die frühe Zeit, später „A. Nikodem, Innsbruck“). Solche Aufkleber sind ein wichtiges Indiz für Authentizität.
Werkverzeichnis und Nachlass. Der künstlerische Nachlass Artur Nikodems wird im Ferdinandeum in Innsbruck verwahrt (Tiroler Landesmuseen). Die wissenschaftliche Grundlage für Bestimmungen ist die Dissertation von Gertraud Jestl-Horngacher (2003) sowie die jüngeren Monografien von Elio Krivdic und Günther Dankl. Bei höherwertigen Stücken empfiehlt sich für die Provenienzbestätigung der Abgleich mit dem Nachlassbestand.
Wie läuft ein Ankauf bei Paul Grosslicht ab?
Der erste Schritt ist einfach. Schicken Sie uns Fotos des Bildes, möglichst übersichtlich und mit klaren Detailaufnahmen der Signatur, der Rückseite (inklusive eventueller Klebezettel) und des Rahmens. Bei mehreren Werken gerne ein Übersichtsfoto und einzelne Detailaufnahmen. Auf Basis dieser Aufnahmen erhalten Sie eine erste Einschätzung, ob und in welchem Rahmen ein Ankauf möglich ist.
Bei konkretem Interesse kommt Paul Grosslicht persönlich zu Ihnen, vorwiegend in Ostösterreich, kurzfristige Termine sind möglich. Bei größeren Sammlungen oder mehreren Werken in einem Nachlass ist der Hausbesuch in der Regel die sinnvollere Variante als das Anliefern in der Galerie. Die Besichtigung und Bewertung sind kostenlos und unverbindlich.
Bei besonders wertvollen Nikodem-Werken, etwa Ölgemälden der reifen Periode mit dokumentierter Provenienz oder Stücken aus den 1920er Jahren in der für ihn typischen stilisierten Landschaftsmalerei, ist häufig eine Vermittlung an spezialisierte Sammler oder die Einlieferung in eine entsprechende Auktion (Dorotheum, Im Kinsky) sinnvoller als der direkte Ankauf. Diese Variante wird im persönlichen Gespräch besprochen.
Wenn beide Seiten sich auf einen direkten Ankauf einigen, kann die Abwicklung sehr rasch gehen. Eine Auszahlung noch am selben Tag ist in vielen Fällen möglich, auf Wunsch bar oder per Überweisung.
Warum Paul Grosslicht kontaktieren?
Paul Grosslicht betreibt den Wiener Kunsthandel seit über 35 Jahren, das Familienunternehmen in dritter Generation. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt im An- und Verkauf erlesener Antiquitäten und Kunstgegenstände, mit besonderem Schwerpunkt auf österreichischer Malerei des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Fallweise besteht eine Kooperation mit dem Dorotheum in Wien, was für besondere Stücke zusätzliche Vermarktungswege eröffnet.
Ob aus einem Nachlass, einer aufzulösenden Sammlung oder als Einzelstück: Der Erstkontakt ist unverbindlich, die Bewertung kostenlos. Und wer keine Zeit verlieren möchte, bekommt rasch Klarheit.



