Goldschmuck Ankauf Wien – Schmuck nach Epochen

Goldschmuck verkaufen und bewerten lassen

Warum die Epoche über den Wert entscheidet

Goldschmuck ist die häufigste Form, in der Gold in Wiener Nachlässen auftaucht, und gleichzeitig jene mit der größten Wertspanne. Ein moderner Serienring entspricht ungefähr seinem Materialwert. Eine handgefertigte Brosche aus dem Biedermeier, ein Jugendstil-Anhänger oder ein Art-Déco-Armband erreicht dagegen oft ein Vielfaches des reinen Goldwerts.

Der Grund liegt im Stil und in der Handarbeit. Bei altem Schmuck ist der Materialwert (Feingehalt mal Gewicht mal Tageskurs) nur die Untergrenze. Den eigentlichen Wert bestimmen Epoche, Hersteller, die Qualität der Arbeit, der Steinbesatz und der Erhaltungszustand. Genau deshalb ist es ein häufiger und teurer Fehler, alten Goldschmuck unbesehen als Bruchgold einzuschmelzen. Wer die Epoche erkennt, erkennt auch den möglichen Sammlerwert.

Dieser Überblick zeigt die wichtigsten Stilepochen, ihre Merkmale und worauf es bei der Bewertung ankommt.


Goldschmuck nach Epochen

Empire und Klassizismus (um 1800)

Die ältesten Stücke in einem Nachlass stammen oft aus der Zeit um 1800. Der Klassizismus orientierte sich an der Antike, mit klaren Formen, Kameen, Gemmen und antikisierenden Motiven. Gold wurde häufig dünn verarbeitet, oft in Kombination mit geschliffenen Steinen in geschlossenen, folierten Fassungen. Solche frühen Stücke sind selten und für Sammler interessant.

Biedermeier (1815 bis 1848)

Wien war ein Zentrum des Biedermeier, und der Schmuck dieser Zeit ist entsprechend häufig. Typisch sind feine, oft sentimentale Arbeiten: zarte Goldarbeiten mit Cannetille (filigrane Drahtarbeit), naturalistische Blütenmotive, Schmuck mit Halbperlen, Almandinen und folierten Farbsteinen sowie Erinnerungs- und Haarschmuck. Das Gold ist häufig niedriger legiert, die Steine sitzen in geschlossenen Fassungen mit Folie, die ihre Farbe verstärkt. Gut erhaltener Biedermeierschmuck mit feiner Handarbeit ist gesucht.

Historismus und Gründerzeit (1850 bis 1900)

In der zweiten Jahrhunderthälfte griff man historische Stile wieder auf, von der Neorenaissance über die Neogotik bis zum archäologischen Stil, der sich an etruskischen und antiken Vorbildern orientierte (Granulation und feine Goldarbeit). Die Stücke sind oft schwerer und repräsentativer, mit Altschliff-Diamanten, Email und Farbsteinen. Aus dieser Zeit stammen viele der Broschen, Colliers und Ohrgehänge, die heute in Wiener Familienbesitz zu finden sind.

Jugendstil (um 1895 bis 1910)

Der Jugendstil brachte fließende, organische Formen, Motive aus der Natur (Libellen, Blüten, Frauenköpfe mit wallendem Haar) und neue Emailtechniken wie das transluzide Fensteremail (plique-à-jour). International ist René Lalique der bekannteste Name. In Wien entwickelte die Secession um Josef Hoffmann und Koloman Moser eine eigene, strenger geometrische Variante, die in der Wiener Werkstätte (gegründet 1903) ihren Höhepunkt fand. Wiener-Werkstätte-Schmuck und hochwertiger Jugendstil zählen zu den gesuchtesten Kategorien überhaupt.

Art Déco (1920 bis 1935)

Das Art Déco setzte auf klare Geometrie, starke Kontraste und eine präzise Steinfassung. Dominierend waren Platin und Diamanten, oft kombiniert mit Farbsteinen in kalibriertem Schliff. Gegen Ende der Periode kehrte das Gelbgold zurück. Cartier prägte mit den farbenfrohen Tutti-Frutti-Arbeiten einen eigenen Stil. Art-Déco-Schmuck mit klarer Formensprache ist bei internationalen Sammlern besonders gefragt.

Retro und Mid-Century (1935 bis 1960)

In den späten 1930er- und 1940er-Jahren wurde der Schmuck wieder voluminöser und farbiger. Großzügige Arbeiten in Gelb- und Rotgold, voluminöse Cocktailringe, breite Armbänder und plastische Schleifen- und Rollwerkmotive sind typisch. Da Platin im Krieg knapp war, rückte Gold wieder in den Vordergrund, meist in 18 Karat. Diese kraftvollen Stücke sind heute als Vintage-Schmuck eine eigene, gut handelbare Kategorie.

Moderne (1960er- und 1970er-Jahre)

Die Nachkriegsmoderne brachte strukturierte Goldoberflächen, abstrakte Formen und einen neuen, plastischen Umgang mit dem Material. Signierte Designerstücke dieser Zeit haben einen klar definierten Markt und sind zunehmend gesucht.


Woran sich Alter und Originalität erkennen lassen

Mehrere Merkmale helfen, eine Epoche einzuordnen und Originale von späteren Umarbeitungen zu unterscheiden.

Die Fassung. Geschlossene, folierte Fassungen (mit einem Metallboden hinter dem Stein) deuten auf frühe Stücke bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts hin. Offene Fassungen, die Licht von hinten durchlassen, wurden später Standard. Die Fassung ist damit ein wichtiger Datierungshinweis.

Der Steinschliff. Altschliff- und Rosenschliff-Diamanten passen zu Schmuck des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein moderner Brillantschliff in einem angeblich alten Stück deutet auf eine spätere Umarbeitung oder einen Steintausch hin. Alter Schliff, der zur Entstehungszeit passt, ist dagegen ein Echtheitshinweis und bei Sammlern eigens geschätzt.

Die Handarbeit. Handgefertigte Details, leichte Unregelmäßigkeiten und sichtbare handwerkliche Spuren sprechen für ein Originalstück, maschinelle Gleichförmigkeit eher für eine jüngere Arbeit.

Die Punze. Die Feingehalts-, Meister- und Amtspunzen geben Auskunft über Herkunft, Feingehalt und oft das Alter. Wie man Punzen liest, erklärt der Ratgeber Wie erkenne ich Gold? im Detail.

Spuren von Umarbeitungen. Nachträglich ergänzte Broschiernadeln, ausgetauschte Verschlüsse oder veränderte Fassungen mindern den Wert. Ein unveränderter Originalzustand hebt ihn.


Was den Wert von Goldschmuck bestimmt

  • Epoche und Stil. Biedermeier, Historismus, Jugendstil, Art Déco und Mid-Century haben jeweils eigene Märkte, Jugendstil und Art Déco sind international besonders gefragt.
  • Hersteller und Signatur. Ein Stück von Köchert, Cartier, Tiffany oder aus der Wiener Werkstätte bedeutet einen deutlichen Aufschlag gegenüber unsigniertem Schmuck.
  • Steine. Diamanten und Farbedelsteine, ihr Schliff, ihre Qualität und ihre Echtheit können den Wert weit über den Goldwert heben.
  • Erhaltungszustand. Originalzustand und saubere Handarbeit erhöhen den Wert, spätere Umarbeitungen mindern ihn.
  • Vollständigkeit. Bei Garnituren (etwa Brosche, Ohrgehänge und Collier als Set) ist die Vollständigkeit wertbestimmend.
  • Provenienz. Eine dokumentierte Herkunft oder ein Bezug zu einer bekannten Sammlung kann den Wert deutlich heben.
  • Materialwert. Feingehalt, Gewicht und Tageskurs bilden die Untergrenze. Bei einfachen, modernen Stücken ohne Sammlerwert ist er der entscheidende Faktor.

Wie läuft ein Ankauf bei Paul Grosslicht ab?

Der erste Schritt ist einfach. Schicken Sie uns Fotos der Stücke, möglichst übersichtlich und mit einer klaren Detailaufnahme der Punzen (an der Ringschiene, am Verschluss, an der Nadel) sowie der Steine. Auf Basis dieser Fotos erhalten Sie eine erste Einschätzung, ob und in welchem Rahmen ein Ankauf möglich ist.

Bei konkretem Interesse kommt Paul Grosslicht persönlich zu Ihnen, kurzfristige Termine sind möglich. Bei umfangreichen Beständen oder ganzen Nachlässen ist der Hausbesuch in der Regel die sinnvollere Variante. Die Besichtigung und Bewertung sind kostenlos und unverbindlich.

Wenn beide Seiten sich einigen, kann die Abwicklung sehr rasch gehen. Eine Auszahlung noch am selben Tag ist in vielen Fällen möglich, auf Wunsch bar oder per Überweisung. Bei besonders wertvollem Schmuck, etwa bedeutenden Jugendstil- oder Art-Déco-Arbeiten oder signierten Stücken, ist häufig eine Vermittlung an spezialisierte Sammler oder die Einlieferung in eine entsprechende Auktion sinnvoller als der direkte Ankauf. Fallweise besteht dafür eine Kooperation mit dem Dorotheum in Wien. Auch das wird im persönlichen Gespräch geklärt.


Warum Paul Grosslicht kontaktieren?

Paul Grosslicht betreibt den Wiener Kunsthandel seit über 35 Jahren, das Familienunternehmen in dritter Generation. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt im An- und Verkauf erlesener Antiquitäten und Kunstgegenstände, von Gemälden und Kunstobjekten über Porzellan, Silber und Uhren bis hin zu Goldschmuck und Juwelen aus allen Epochen. Fallweise besteht eine Kooperation mit dem Dorotheum in Wien, was für besondere Stücke zusätzliche Vermarktungswege eröffnet.

Ob aus einem Nachlass, einer aufzulösenden Sammlung oder als Einzelstück: Der Erstkontakt ist unverbindlich, die Bewertung kostenlos. Und wer keine Zeit verlieren möchte, bekommt rasch Klarheit.

Weitere Übersicht: Gold-Ankauf in Wien mit allen Kategorien, dazu die Hersteller-Porträts zu A.E. Köchert und Cartier sowie der Ratgeber Wie erkenne ich Gold?.

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Paul Grosslicht

Verfasst von Paul Grosslicht, zertifizierter Kunsthändler und Silberspezialist mit über 30 Jahren Expertise in der Bewertung von Tafelsilber, Besteck und Sammlerobjekten. Inhaber des Kunsthandels Grosslicht in Wien. Zuletzt aktualisiert: Januar 2025.