Wiener Werkstätte Silber Ankauf Wien

Wiener Werkstätte Silber verkaufen und bewerten lassen

Die wichtigste Silberproduktion des Wiener Jugendstils

In Wiener Familien, deren Wurzeln ins gehobene Bürgertum oder das Kulturmilieu der Jahrhundertwende reichen, taucht Silber der Wiener Werkstätte mit einer Häufigkeit auf, die international ihresgleichen sucht. Eine kleine Schale mit Hammerschlag-Dekor, eine Brosche mit Achat- oder Mondsteinbesatz, ein Mokkalöffel mit dem charakteristischen geometrischen Muster, manchmal auch ein größeres Stück, eine Vase, ein Tafelaufsatz oder ein Teeservice nach Entwurf von Josef Hoffmann. Solche Stücke wurden in den dreißig Jahren des Bestehens der Wiener Werkstätte für eine vergleichsweise kleine, kunstaffine Klientel produziert und haben sich von dort in zahllose Wiener Haushalte verteilt.

Wiener Werkstätte Silber ist heute eine der international gefragtesten Kategorien des frühen 20. Jahrhunderts. Selbst kleine, einfache Stücke erreichen bei Auktionen vierstellige Werte, Hauptwerke von Josef Hoffmann oder Dagobert Peche bewegen sich im fünf- bis sechsstelligen Bereich, und einzelne Spitzenstücke haben siebenstellige Ergebnisse erzielt. Die Bewertung verlangt deshalb eine genaue Identifikation: Welcher Entwerfer, welcher ausführende Silberschmied, welche Periode, welche Punzen.


Die Wiener Werkstätte und ihre Silberproduktion

Die Wiener Werkstätte wurde 1903 in Wien gegründet, ein Jahr nachdem Josef Hoffmann in England die Guild of Handicraft von Charles Robert Ashbee besucht und sich für deren handwerklich-künstlerische Idee begeistert hatte. Gründungsmitglieder waren der Architekt Josef Hoffmann (1870 bis 1956), der Maler und Designer Koloman Moser (1868 bis 1918) und der Industrielle Fritz Waerndorfer als finanzieller Mäzen. Ziel war eine Werkstattgemeinschaft, in der Künstler und Handwerker gemeinsam Möbel, Silber, Glas, Leder, Schmuck und schließlich ganze Innenausstattungen entwerfen und ausführen sollten. Der Anspruch war das Gesamtkunstwerk.

Die Werkstätten lagen ab 1904 in der Neustiftgasse 32 bis 34 im 7. Wiener Gemeindebezirk. Das Verkaufsgeschäft folgte später am Graben 15 im 1. Bezirk. 1905 hatte die Wiener Werkstätte etwa 100 Mitarbeiter, davon 37 Handwerksmeister, ein Umfang, der die Manufaktur deutlich über das hinaushob, was unter „Werkstatt“ üblicherweise verstanden wurde.

Im selben Jahr begann das Palais Stoclet in Brüssel, ein Gesamtkunstwerk-Projekt nach Entwurf von Josef Hoffmann, das von 1905 bis 1912 zur Gänze von der Wiener Werkstätte ausgeführt wurde. Gustav Klimt schuf den berühmten Stoclet-Fries für den Speisesaal. Das Palais Stoclet gilt heute als eines der wichtigsten Architekturdenkmäler des frühen 20. Jahrhunderts und steht seit 2009 auf der UNESCO-Welterbeliste.

Die Silberproduktion war von Beginn an ein Kernbereich. Hoffmann entwarf zahlreiche Tafelaufsätze, Schalen, Körbe, Vasen, Teekannen, Bestecksätze und Boxen, mit charakteristischen Merkmalen: streng geometrische Formen, oft mit gehämmerter Oberfläche (Hammerschlag), perforierte Bandelwerke, gelegentlich Halbedelsteinbesatz. Koloman Moser arbeitete vor allem in der Frühphase, mit floraleren und experimentelleren Formen. Der Einfluss von Gustav Klimt zeigte sich besonders in Mosers Schmuckkreationen.

1907 schied Koloman Moser nach Streitigkeiten mit Waerndorfer aus der Wiener Werkstätte aus. Hoffmann führte die Werkstätte allein weiter, mit erweitertem Mitarbeiterkreis: Carl Otto Czeschka wurde 1905 als Entwerfer aufgenommen, Bertold Löffler, Otto Prutscher und später Mathilde Flögl und Hilda Jesser kamen hinzu.

1914 ging Fritz Waerndorfer infolge der durch die Wiener Werkstätte angehäuften Schulden bankrott und emigrierte in die Vereinigten Staaten. Die Finanzierung übernahm die Industriellenfamilie Primavesi, mit dem Mährisch-Schönberger Bankier Otto Primavesi und dessen Ehefrau Eugenia. Mit dem Eintritt von Dagobert Peche im Jahr 1915 änderte sich die ästhetische Richtung. Peches Entwürfe waren expressiver, ornamentaler, von Blattwerk, Blüten, Tieren und phantastischen Figuren geprägt. Diese „Peche-Phase“ zwischen 1915 und 1923 brachte einige der heute am höchsten bewerteten Wiener Werkstätte Stücke hervor.

1926 starb Otto Primavesi, womit auch die zweite große Finanzierungsphase endete. Die folgenden Jahre waren von wirtschaftlichen Schwierigkeiten geprägt, die Weltwirtschaftskrise verschärfte sie. 1932 wurde die Wiener Werkstätte aufgelöst, ihr Bestand zum Großteil im Dorotheum versteigert.

Das Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien besitzt heute das umfassendste Archiv der Wiener Werkstätte mit über 20.000 Entwürfen, Musterbüchern, Korrespondenzen und Modellnummernregistern. Dieses Archiv ist für die Bewertung und Authentifizierung einzelner Stücke oft entscheidend.


Warum ist Wiener Werkstätte Silber heute besonders gesucht?

Wiener Werkstätte Silber gehört zu den international stabilsten Sammelkategorien des frühen 20. Jahrhunderts. Mehrere Faktoren begründen das.

Erstens die kurze Produktionsperiode. Mit nur knapp dreißig Jahren Produktionszeit und vergleichsweise kleinen Stückzahlen pro Modell ist das Angebot am Markt naturgemäß begrenzt. Hauptwerke sind oft nur in wenigen Exemplaren bekannt, manche existieren nur einmal.

Zweitens die künstlerische Bedeutung. Josef Hoffmann zählt heute zu den prägenden Designern des 20. Jahrhunderts überhaupt, mit Einfluss bis ins Bauhaus, in die skandinavische Mid-Century-Moderne und in den amerikanischen Industrial Design. Das Wiener Werkstätte Silber ist gewissermaßen das Material, in dem Hoffmanns frühe Designprinzipien am reinsten ablesbar bleiben.

Drittens die dokumentierte Provenienz. Anders als bei vielen anderen Manufakturen sind die Modellnummern, die Entwerfer, die ausführenden Werkmeister und teilweise sogar die Erstkäufer dokumentiert. Diese Nachvollziehbarkeit ist ein eigenständiger Wertbestandteil.

Im internationalen Auktionsmarkt sind Wiener Werkstätte Silberstücke regelmäßig bei den großen Design-Auktionen vertreten: bei Phillips in London und New York („Design Sales“), bei Sotheby’s und Christie’s in den Departments für Design und Decorative Arts, bei Wright in Chicago und Bonhams. In Wien sind das Dorotheum und Im Kinsky die wichtigsten Häuser, beide führen eigene Spezialauktionen für Jugendstil und Wiener Moderne. Die Spitzenpreise erreichen einzelne Hoffmann-Stücke im sechs- und siebenstelligen Bereich.


Welche Wiener Werkstätte Silberstücke haben Sammlerwert?

Josef Hoffmann Schale
Josef Hoffmann Schale

Josef Hoffmann Silber. Die Hauptkategorie, sowohl quantitativ als auch im Spitzenniveau. Charakteristisch sind die streng geometrischen Formen, die oft quadratischen oder rechteckigen Grundrisse, die gehämmerte Oberfläche (Hammerschlag), perforierte Bandelwerke, kugelige Knäufe und sparsamer Halbedelsteinbesatz. Hoffmann-Körbe, gerade kleinere Modelle aus der Periode 1904 bis 1910, erreichen vier- bis fünfstellige Werte. Tafelaufsätze, große Schalen und komplette Teeservice nach Hoffmann-Entwurf liegen im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Stücke aus dem Palais Stoclet oder mit direkter Stoclet-Provenienz sind eigene Spitzenkategorien.

Koloman Moser Silber. Produziert vor allem in der Frühphase 1903 bis 1907. Moser-Silber ist seltener als Hoffmann-Silber, da seine Produktion deutlich kürzer war. Stücke sind oft floraler und stilistisch näher am Wiener Secessionsstil. Auch Moser-Silber erreicht je nach Form und Erhaltungszustand vier- bis fünfstellige Werte. Sein Silberschmuck, von dem viele Stücke durch Fotografien von Emilie Flöge in Klimt-Kleidern dokumentiert sind, ist eine eigene gefragte Sammelkategorie.

Dagobert Peche Silber. Die Peche-Phase 1915 bis 1923 brachte Stücke mit organischen, ornamentalen, manchmal verspielt-expressiven Formen hervor. Peche kombinierte häufig Silber mit Elfenbein, Schildpatt, Korallen oder Halbedelsteinen. Seine Schalen, Kassetten, Spiegelrahmen und Tafelaufsätze sind heute eigene Sammelkategorien mit hoher Wertschätzung. Peche-Hauptwerke erreichen fünf- bis sechsstellige Werte.

Otto Prutscher, Carl Otto Czeschka, Bertold Löffler. Diese Entwerfer der zweiten Reihe haben jeweils eigene Stilhandschriften, Prutscher mit klarem geometrischem Profil, Czeschka mit ornamentalen Goldschmiedearbeiten, Löffler mit grafischen Anleihen. Stücke nach ihren Entwürfen werden niedriger bewertet als Hoffmann oder Peche, sind aber stabile Sammelkategorien im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich.

Schmuck der Wiener Werkstätte. Schon im ersten Jahr produzierte die Werkstätte Silberschmuck, der durchgehend ein bevorzugtes Medium blieb. Halsbänder, Ketten, Anhänger, Ringe und Broschen wurden meist aus Silber gefertigt, gehämmert, getrieben oder patiniert, oft mit Achat, Karneol, Malachit, Amethyst, Lapislazuli, Opal, Mondstein oder Korallen besetzt. Frühe Moser-Stücke, die durch Fotografien von Klimts Lebenspartnerin Emilie Flöge dokumentiert sind, erreichen Spitzenpreise. Auch Peches Schmuckentwürfe sind eigene Sammelkategorien. Einzelne Wiener Werkstätte Broschen oder Anhänger liegen in der Regel im niedrigen vierstelligen bis fünfstelligen Bereich.

Bestecksätze. Hoffmann entwarf mehrere Bestecksmodelle, das berühmteste ist Modell Nummer 135 (1903, ursprünglich für das Sanatorium Purkersdorf), das auch heute noch in Reedition produziert wird. Originale Bestecksätze in 800er oder 900er Silber aus der historischen Wiener Werkstätte Produktion erreichen je nach Vollständigkeit fünfstellige Werte.

Kleinere Gebrauchsgegenstände. Mokkalöffel, Aschenbecher, Salzfässer, Pfefferstreuer, Briefbeschwerer, kleine Schalen. Diese Stücke sind oft die häufigste Form, in der Wiener Werkstätte Silber in Wiener Haushalten auftritt, und sie sind erschwinglicher als die Hauptwerke. Trotzdem liegt der Bewertungsrahmen schon hier oft im mittleren dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Bereich, abhängig vom Entwerfer und der Erhaltung.


Worauf bei Bewertung und Echtheit zu achten ist

Die Wiener Werkstätte Punzen. Authentische Stücke tragen ein charakteristisches Punzen-Ensemble. Die zentralen Komponenten sind:

  • Das WW-Monogramm, meist als zwei sich überlagernde W in einem quadratischen oder kreisförmigen Feld. In den frühen Jahren 1903 bis 1905 wurde teilweise auch ein WW im Hochoval als Marke verwendet, was bei der Datierung früher Stücke ein wichtiges Indiz ist.
  • Die Rose-Marke (Rosenmarke), eine stilisierte Rose, die als zusätzliches Wiener Werkstätte Signet bis in die frühen 1920er Jahre verwendet wurde.
  • Das Monogramm des Entwerfers: JH für Josef Hoffmann (mit charakteristischem Quadratrahmen), KM oder Koloman Moser ausgeschrieben, DP für Dagobert Peche, OP für Otto Prutscher, COC für Carl Otto Czeschka.
  • Das Monogramm des ausführenden Werkmeisters oder Silberschmieds: AE für Adolf Erbrich, EP für Eugen Pflaumer, KK für Konrad Koch (Meister der Metallarbeiter), Initialen der Silberschmiede-Meister Josef Hossfeld und Karl Kallert, sowie weiterer Silberschmiede wie Adolf Erbrich (1874 bis 1940), Josef Wagner, Augustin Grötzbach, Josef Czech, Eilfriede Berbalk, Alfred Mayer.
  • Die offizielle österreichische Beschau: bei Stücken vor 1922 die Adler-Punze mit der Feinheitsziffer, bei Stücken ab 1922 der Dianakopf. Die Feinheit beträgt meist 800/1000 oder 900/1000.

Die Vollständigkeit dieser Punzen-Kette ist das wichtigste Echtheitsmerkmal. Stücke, denen einzelne Punzen fehlen, sind nicht zwangsläufig Fälschungen, aber sie verlangen eine genauere Prüfung.

Modellnummer im Archiv des MAK. Bei höherwertigen Stücken ist die Identifikation über die Modellnummer aus den Wiener Werkstätte Musterbüchern möglich. Das Archiv des MAK enthält Modellnummernregister für sämtliche Silberentwürfe, die eine eindeutige Zuordnung von Entwerfer, Ausführungsdatum und ursprünglichem Verkaufspreis erlauben. Diese Provenienzbestätigung kann den Wert eines Stücks deutlich heben.

Originalzustand. Wie bei jedem hochwertigen Silber sind Reparaturen, Ergänzungen, Politur und Restaurationen zu prüfen. Bei Wiener Werkstätte Silber ist die Erhaltung der ursprünglichen Hammerschlag-Oberfläche besonders wertbestimmend, da maschinelle Politur diese charakteristische Textur zerstört. Auch bei Halbedelsteinbesatz ist die Originalität der Steine zu prüfen, da gerade bei Mondsteinen, Opalen und Korallen Ergänzungen häufig sind.

Reeditionen und Nachfertigungen. Die Wiener Silber Manufactur (eine moderne Manufaktur, gegründet 2010) produziert Stücke nach Originalentwürfen der Wiener Werkstätte unter Lizenz und mit eigenen Punzen. Diese Reeditionen sind nicht mit historischen Wiener Werkstätte Stücken zu verwechseln. Sie tragen die Marke der modernen Manufaktur und sind als Reeditionen klar gekennzeichnet. Ältere Nachfertigungen und Fälschungen kommen ebenfalls vor und werden bei seriösen Bewertungen ausgeschlossen.

Schmuck mit Halbedelsteinen. Bei Wiener Werkstätte Schmuck ist die Authentizität der ursprünglichen Steinfassung zu prüfen. Originale Korallen, Achate oder Mondsteine in den charakteristischen Hoffmann- oder Peche-Fassungen sind ein wichtiges Echtheitsmerkmal. Spätere Umfassungen oder ausgetauschte Steine senken den Wert.


Wie läuft ein Ankauf bei Paul Grosslicht ab?

Der erste Schritt ist einfach. Schicken Sie uns Fotos der Stücke, möglichst übersichtlich und mit klaren Detailaufnahmen der Punzen am Boden, an der Seite oder am Verschluss. Bei Schmuck zusätzlich Aufnahmen der Steine und Fassungen. Bei Bestecksätzen eine Aufnahme der Vollständigkeit. Auf Basis dieser Fotos erhalten Sie eine erste Einschätzung, ob und in welchem Rahmen ein Ankauf möglich ist.

Bei konkretem Interesse kommt Paul Grosslicht persönlich zu Ihnen, vorwiegend in Ostösterreich, kurzfristige Termine sind möglich. Bei besonders wertvollen Stücken oder bei Unsicherheit bezüglich der Punzen empfiehlt sich der Termin am Geschäftssitz in der Piaristengasse, wo unter Lupe und mit den nötigen Hilfsmitteln in Ruhe geprüft werden kann. Die Besichtigung und Bewertung sind kostenlos und unverbindlich.

Bei Hauptwerken von Josef Hoffmann oder Dagobert Peche, bei Stücken mit Stoclet-Provenienz oder bei vollständigen Bestecksätzen ist häufig eine Vermittlung an internationale Sammler oder die Einlieferung in eine spezialisierte Design-Auktion sinnvoller als der direkte Ankauf. Phillips, Sotheby’s und Christie’s führen mehrmals jährlich Design-Auktionen, in die solche Stücke eingelagert werden können. Auch das Wiener Dorotheum und Im Kinsky haben eigene Spezialauktionen für Jugendstil und Wiener Moderne.

Wenn beide Seiten sich auf einen direkten Ankauf einigen, kann die Abwicklung sehr rasch gehen. Eine Auszahlung noch am selben Tag ist in vielen Fällen möglich, auf Wunsch bar oder per Überweisung.


Warum Paul Grosslicht kontaktieren?

Paul Grosslicht betreibt den Wiener Kunsthandel seit über 35 Jahren, das Familienunternehmen in dritter Generation. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt im An- und Verkauf erlesener Antiquitäten und Kunstgegenstände, von Gemälden und Kunstobjekten über Porzellan, Schmuck und Uhren bis hin zu Silber in allen genannten Kategorien. Fallweise besteht eine Kooperation mit dem Dorotheum in Wien, was für besondere Stücke zusätzliche Vermarktungswege eröffnet.

Ob aus einem Nachlass, einer aufzulösenden Sammlung oder als Einzelstück: Der Erstkontakt ist unverbindlich, die Bewertung kostenlos. Und wer keine Zeit verlieren möchte, bekommt rasch Klarheit.

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