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Eine alte Geige geerbt: Was Sie vor dem Verkauf wissen sollten
Oft liegt sie jahrzehntelang im Kasten am Dachboden: eine Geige aus der Familie, die Saiten gerissen, der Bogen ohne Haare. Wer durch das f-Loch blickt, findet häufig einen vergilbten Zettel mit einem berühmten Namen, etwa „Antonius Stradivarius Cremonensis Faciebat Anno 1721“. Die Hoffnung ist verständlich. In fast allen Fällen handelt es sich aber um eine Kopie, die ganz offen als solche gebaut und verkauft wurde.
Das heißt nicht, dass die Geige wertlos ist. Zwischen einer einfachen Schülergeige und einem Instrument eines Wiener Meisters liegen Welten, und manche unscheinbare Geige entpuppt sich bei näherem Hinsehen als gute Arbeit. Der Kunsthandel Paul Grosslicht in Wien kauft alte Geigen an und bewertet sie kostenlos. Auf dieser Seite erfahren Sie, was Sie selbst an Ihrer Geige ablesen können, welche Preise bei Versteigerungen tatsächlich erzielt wurden und wie sich daraus ein realistischer Ankaufswert ergibt.
Kann man selbst erkennen, wer eine alte Geige gebaut hat?
Teilweise. Herkunftsregion und ungefähres Alter lassen sich oft mit einfachen Mitteln eingrenzen. Den Erbauer sicher zu bestimmen, gelingt Laien dagegen fast nie, und auch Fachleute brauchen dafür Vergleichsmaterial, Erfahrung mit vielen hundert Instrumenten und manchmal naturwissenschaftliche Untersuchungen.
Der Zettel im Inneren: Warum er wenig beweist
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden Geigen zu Hunderttausenden als preiswerte Nachbauten berühmter Vorbilder hergestellt. Der Zettel mit dem Namen Stradivari, Amati, Guarneri oder Stainer sollte damals nicht täuschen, sondern das Modell bezeichnen, nach dem gebaut wurde. Käufer wussten, dass sie ein günstiges Instrument erwarben. Die Smithsonian Institution in Washington weist ausdrücklich darauf hin, dass ein solcher Zettel nichts über die Echtheit eines Instruments aussagt.
Falsche Zettel sind allerdings älter als die Massenproduktion. Schon im 18. Jahrhundert versahen Geigenmacher im sächsischen Vogtland ihre Instrumente mit Zetteln in fehlerhaftem Latein, die Absam in Tirol oder Cremona als Ursprungsort nannten, weil Geigen aus diesen Orten begehrter waren. Auch bei echten Wiener Meistern ist der Zettel kein sicherer Beleg: Franz Geissenhof, Nachfolger von Johann Georg Thir, verwendete nach dessen Tod 1779 offenbar weiter Thirs Zettel, sodass es Geigen mit Thirs Namen und Jahreszahlen bis 1791 gibt. Geissenhof selbst füllte auf seinen Zetteln die Jahreszahl nicht immer aus, spätere Hände ergänzten Daten bis 1840. Sein Zettel und sein nachgeahmter Brandstempel finden sich zudem in vielen minderen Instrumenten.
Wie deutlich ein Zettel in die Irre führen kann, zeigt ein Beispiel aus dem Online-Handel: Eine Geige mit dem Zettel „Mathias Kloz, Lautenmacher in Mittenwaldt, Anno 1746“ wurde mit 650 bis 800 Euro geschätzt. Matthias Klotz, der Begründer des Mittenwalder Geigenbaus, starb aber bereits 1743.
Merkmale, die Sie selbst prüfen können
Einige Hinweise lassen sich ohne Werkzeug oder mit einer Taschenlampe und einem kleinen Spiegel ablesen:
- Steht auf dem Zettel oder als Stempel im Inneren „Made in Germany“, „Germany“, „Made in Czechoslovakia“ oder „Saxony“, stammt die Geige mit großer Wahrscheinlichkeit aus einer Serienfertigung für den Export. Die Vereinigten Staaten verlangten ab 1891 eine Herkunftsangabe auf importierten Waren. Der Vermerk „Czechoslovakia“ datiert eine Geige auf die Zeit zwischen Oktober 1918 und Ende 1992, als dieser Staat bestand.
- Ein Brandstempel am Bodenplättchen, dem kleinen Halbrund am Boden, an dem der Hals ansetzt, oder im Inneren ist ein wichtiger Hinweis. Geissenhof brannte etwa „F.G.“ ein, Gabriel Lemböck die Buchstaben „G“ und „L“. Auch Stempel lassen sich fälschen, sie sind aber ein Ansatzpunkt für die Recherche.
- Die Randeinlage, also die schmalen dunklen Linien entlang des Randes von Decke und Boden, ist bei guten Instrumenten aus drei Holzstreifen eingelegt. Bei sehr einfachen Geigen ist sie mitunter nur aufgemalt. Das erkennt man mit einer Lupe dort, wo der Lack abgegriffen ist.
- Die Korpuslänge einer ganzen Geige liegt um 35,5 bis 36 Zentimeter, gemessen über den Boden ohne den Hals. Deutlich kürzere Instrumente sind Kindergrößen wie 3/4 oder 1/2, die am Markt meist weniger gefragt sind.
- Spuren von Reparaturen wie verleimte Risse, ein ersetzter Hals oder ein angesetzter Kopf mindern den Wert, sagen aber auch etwas über das Alter. Eine Geige, die im 19. Jahrhundert fachgerecht repariert wurde, war ihrem Besitzer offenbar etwas wert.
Ein Blick ins Innere verrät Fachleuten viel über die Bauweise. Im historischen vogtländischen Geigenbau wurde die Geige nicht über einer Innenform gebaut, sondern frei auf dem Boden „aufgeschachtelt“: Der Halsfuß diente zugleich als oberer Klotz, Eckklötze fehlen häufig, und der Bassbalken wurde mitunter aus der Decke herausgearbeitet statt eingeleimt. Solche Merkmale ordnen eine Geige einer Region und einer Epoche zu, auch wenn kein Name bekannt ist.
Wo die eigene Prüfung an Grenzen stößt
Ob eine Geige von einem bestimmten Meister stammt, lässt sich nur durch den Vergleich von Modell, Holzauswahl, Schnitzarbeit an Schnecke und f-Löchern sowie Lack mit gesicherten Instrumenten beurteilen. Bei wertvollen Geigen kommen Echtheitszertifikate anerkannter Experten hinzu und manchmal eine dendrochronologische Untersuchung der Decke. Sie bestimmt anhand der Jahresringe, wann das Holz frühestens verarbeitet wurde. Bei einer Geige von Jakob Stainer aus der Zeit um 1665 datierte ein solches Gutachten den jüngsten Jahresring auf 1581. Die Methode belegt also ein Mindestalter des Holzes, aber nicht den Erbauer.
Für die Entscheidung, ob sich eine genauere Prüfung lohnt, genügen Ihnen meist gute Fotos und ein kurzer Blick einer Fachperson. Genau dafür ist unsere kostenlose Ersteinschätzung gedacht.
Woher alte Geigen in Österreich meist stammen
Schönbach und Markneukirchen: der „Musikwinkel“
Der größte Teil der alten Geigen in Mitteleuropa kommt aus dem Grenzgebiet zwischen Westböhmen und dem sächsischen Vogtland. In Markneukirchen gründeten böhmische Glaubensflüchtlinge 1677 die erste Geigenmacher-Innung. Um 1800 fertigten dort etwa 80 Betriebe rund 18.000 Geigen im Jahr. Im böhmischen Schönbach, dem heutigen Luby, entstanden im ausgehenden 19. Jahrhundert nach Angaben des Geigenhändlers Corilon fast 150.000 Geigen jährlich. 1929 arbeiteten in Schönbach etwa 1.500 Menschen im Geigenbau, viele davon in Heimarbeit, spezialisiert auf Hälse, Decken, Böden oder Wirbel. Nach der Vertreibung 1945 setzten viele Schönbacher Familien die Tradition im fränkischen Bubenreuth fort.
Diese Instrumente wurden in allen Qualitätsstufen gebaut. Neben einfacher Exportware gibt es sorgfältig gearbeitete Geigen namentlich bekannter Meister, etwa der Markneukirchner Familien Heberlein oder Roth, die heute gute Orchesterinstrumente sind.
Mittenwald und Absam
Der Mittenwalder Geigenbau geht auf Matthias Klotz (1653 bis 1743) zurück, der in Padua gelernt hatte und ab etwa 1714 Geigen baute. Mittenwald orientierte sich über ein Jahrhundert lang am hoch gewölbten Modell des Tirolers Jakob Stainer aus Absam bei Innsbruck. Stainer war bis ins späte 18. Jahrhundert der meistgeschätzte Geigenbauer nördlich der Alpen, entsprechend oft wurde er kopiert. Echte Stainer-Geigen sind sehr selten.
Die Wiener Geigenmacher
Wien hatte eine eigenständige Geigenbauschule, die bei Sammlern bekannt ist, aber international im Schatten der Italiener steht. Zu den früh dokumentierten Meistern gehört Anton Posch (1677 bis 1742). Johann Georg Thir legte 1738 in Wien den Bürgereid ab und starb 1779. Seine Geigen haben ein langes, schmales Modell mit hoher Wölbung nach Stainer, der Lack wechselte im Lauf der Jahre von einem dunklen Schokoladebraun zu transparentem Goldbraun. Sein Schüler und Nachfolger Franz Geissenhof (1753 bis 1821) wohnte in der Singerstraße und wird in der Fachliteratur als „Wiener Stradivari“ bezeichnet. Um 1800 wechselte er vom Stainer-Modell zum flacheren Stradivari-Modell.
Im 19. Jahrhundert prägte Gabriel Lemböck (1814 bis 1892) den Wiener Geigenbau. Der aus Ofen, dem heutigen Budapest, stammende Meister wurde 1863 k.k. Hof-Instrumentenmacher und war bekannt für seine Kopien der Guarneri-Geige Paganinis und für Reparaturen alter Instrumente. Gegen Ende des Jahrhunderts führte Carl Zach in der Kärntner Straße eine Werkstatt mit sauber gearbeiteten Geigen nach Stradivari.
Italien und Frankreich
Die berühmtesten Namen stammen aus Cremona: die Familie Amati, Antonio Stradivari und Giuseppe Guarneri „del Gesù“. Das französische Gegenstück zum Vogtland war Mirecourt in Lothringen, wo 1732 eine Geigenmacher-Zunft gegründet wurde und aus dem viele später in Paris tätige Familien stammen. Auch französische Manufakturgeigen tauchen in österreichischen Nachlässen regelmäßig auf.
Was alte Geigen bei Versteigerungen erzielt haben
Die folgenden Ergebnisse zeigen die Spannweite des Marktes. Alle Beträge sind gerundete Kaufpreise einschließlich Aufgeld.
| Instrument | Auktion | Ergebnis |
|---|---|---|
| Antonio Stradivari, Violine „Lady Blunt“, Cremona 1721 | Tarisio, 2011 | rund 15,9 Mio. US-Dollar |
| Antonio Stradivari, Violine „Joachim-Ma“, Cremona 1714 | Sotheby’s New York, Februar 2025 | 11,25 Mio. US-Dollar |
| Jakob Stainer, Violine, Absam | Sotheby’s London, März 2011 | rund 331.800 US-Dollar |
| Nicola Amati, Violine, Cremona um 1661 | Dorotheum Wien | 85.700 Euro |
| Franz Geissenhof, Violine, Wien 1815 | Ingles & Hayday, Oktober 2025 | 50.400 Pfund |
| Franz Geissenhof, Violine, Wien 1812 | Ingles & Hayday, März 2024 | 45.600 Pfund |
| Franz Geissenhof, Violine, Wien 1800 | Tarisio, Oktober 2023 | rund 15.700 Pfund |
| Gabriel Lemböck, Violine nach Guarneri, Wien 1858 | 2011 | 37.250 Pfund |
| Carl Zach, Violine, Wien | Ingles & Hayday, März 2023 | 9.000 Pfund |
| Johann Georg Thir, Violine, Wien | März 2026 | 7.200 Pfund |
| Josef Knitl, Mittenwalder Geige | Dorotheum Wien | 10.000 Euro |
| Wiener Meistergeige, ohne Meisterzuschreibung im Titel | Dorotheum Wien, November 2024 | 4.800 Euro |
| 13 böhmische, sächsische und deutsche Manufakturgeigen | Dorotheum Wien, November 2024 | 75 bis 420 Euro |
Die Weltspitze
Den Auktionsrekord für ein Musikinstrument hält seit 2011 die Stradivari-Violine „Lady Blunt“ von 1721 mit rund 15,9 Millionen US-Dollar. Die „Joachim-Ma“ von 1714, einst gespielt von Joseph Joachim, blieb im Februar 2025 bei Sotheby’s mit 11,25 Millionen Dollar unter der Schätzung von 12 bis 18 Millionen. Solche Summen betreffen eine Handvoll Instrumente mit lückenloser Geschichte. Für die Bewertung einer Geige aus einem Wiener Nachlass sind sie kein Maßstab.
Die Wiener Schule
Wiener Meistergeigen des 18. und 19. Jahrhunderts bewegen sich bei internationalen Spezialauktionen meist im vier- bis mittleren fünfstelligen Bereich. Franz Geissenhof ist der gesuchteste Name: Seine Violinen erzielten zwischen 2023 und 2026 zwischen rund 15.700 und 50.400 Pfund, 2024 und 2025 jeweils deutlich über der Schätzung. Geigen von Johann Georg Thir wurden zuletzt für 5.000 bis 7.200 Pfund verkauft, Instrumente von Carl Zach für 4.000 bis 9.000 Pfund. Voraussetzung für solche Preise ist eine gesicherte Zuschreibung.
Der Wiener Auktionsalltag
Aussagekräftiger für die meisten Eigentümer ist eine gewöhnliche Online-Auktion des Dorotheums. Am 15. November 2024 kamen dort Dutzende Streichinstrumente zum Aufruf. Dreizehn als Manufakturgeigen beschriebene Instrumente aus Böhmen, Sachsen und Deutschland erzielten zwischen 75 und 420 Euro, eine Wiener Meistergeige 4.800 Euro, eine deutsche Geige mit einem Ausrufpreis von 900 Euro stieg auf 2.800 Euro. Bemerkenswert ist, was nicht verkauft wurde: Für eine Wiener Meistergeige von Johann Georg Thir aus dem Jahr 1775, eine Geige von Josef Ferdinand Leidolff und eine böhmische Meistergeige von Mathias Heinicke weist die Ergebnisliste keinen erzielten Preis aus. Auch gute Instrumente finden also nicht bei jeder Auktion einen Käufer.
Mit welchen Ankaufswerten können Sie rechnen?
Auktionsergebnis und Ankaufspreis sind zwei verschiedene Zahlen
Ein Auktionsergebnis ist der Preis, den der Käufer bezahlt hat, einschließlich Aufgeld und Mehrwertsteuer. Beim Einbringer kommt davon nur der Zuschlag abzüglich der Verkäuferprovision an, und das erst nach der Auktion. Bei Katalogauktionen des Dorotheums soll ein Objekt etwa drei Monate vorher eingebracht werden. Dazu kommt das Risiko, dass das Instrument unverkauft bleibt.
Ein Ankaufspreis liegt deshalb unter den veröffentlichten Auktionsergebnissen. Der Händler trägt die Kosten für Instandsetzung, neue Saiten, Steg und Stimmstock sowie das Verkaufsrisiko. Dafür erhalten Sie den vereinbarten Betrag sofort, ohne Wartezeit und ohne Ungewissheit über den Ausgang einer Versteigerung.
Orientierung nach Kategorie
Aus den dokumentierten Ergebnissen lassen sich grobe Größenordnungen für den Marktwert ableiten. Der Ankaufswert liegt jeweils darunter und hängt vom Einzelfall ab.
- Einfache Manufakturgeigen aus Schönbach, Markneukirchen oder Mirecourt, meist zwischen 1880 und 1960 entstanden, erzielen bei Wiener Auktionen in der Regel einige hundert Euro. Schülergeigen in Kindergrößen und stark beschädigte Instrumente liegen darunter.
- Gut gearbeitete Werkstatt- und Meistergeigen des 20. Jahrhunderts aus Mittenwald, dem Vogtland, Budapest oder Wien erreichen typischerweise den niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich, einzelne gesuchte Meister bis etwa 10.000 Euro.
- Geigen Wiener und Tiroler Meister des 18. und 19. Jahrhunderts mit gesicherter Zuschreibung liegen im mittleren vier- bis fünfstelligen Bereich, Spitzeninstrumente von Geissenhof darüber.
- Italienische und französische Meistergeigen mit anerkanntem Zertifikat beginnen im hohen fünfstelligen Bereich und reichen bei den bedeutendsten Namen bis in die Millionen.
Was den Wert hebt oder senkt
Die Zuschreibung ist der wichtigste Faktor. Eine Geige, die nur als „Wiener Schule, um 1800“ gilt, erzielt deutlich weniger als dasselbe Instrument mit dem gesicherten Namen eines Meisters. Danach kommt der Zustand. Risse in der Decke sind häufig und meist reparabel, ein Riss am Stimmstock oder ein ausgetauschter Kopf mindern den Wert jedoch spürbar. Originaler Lack, der nicht überlackiert wurde, ist ein Pluspunkt. Fehlende Saiten, ein umgefallener Steg oder ein offener Leimrand spielen dagegen kaum eine Rolle, das richtet ein Geigenbauer in kurzer Zeit.
Der Bogen zählt mit
Im Geigenkasten liegt oft ein Bogen, und der kann mehr wert sein als erwartet. Bei derselben Dorotheum-Auktion im November 2024 erzielte ein silbermontierter Cellobogen 1.500 Euro, ein neusilbermontierter Bratschenbogen der Werkstatt Paesold 360 Euro. Bögen bedeutender französischer Bogenmacher erreichen bei Spezialauktionen weit höhere Beträge: Zwei Cellobögen von François Xavier Tourte wurden 2006 und 2007 für jeweils rund 200.000 US-Dollar versteigert. Bringen Sie deshalb immer den ganzen Kasten mit, auch wenn der Bogen keine Haare mehr hat.
Wie läuft der Ankauf einer alten Geige bei Paul Grosslicht ab?
Der erste Schritt ist einfach: Schicken Sie uns Fotos per E-Mail oder WhatsApp. Hilfreich sind je eine gerade Aufnahme von Decke, Boden und Seite, ein Foto der Schnecke, ein Bild des Zettels durch das linke f-Loch und, falls vorhanden, eine Aufnahme eines Brandstempels. Fotografieren Sie auch den Bogen und den Kasten. Anhand dieser Bilder geben wir Ihnen eine erste, unverbindliche Einschätzung.
Bitte lassen Sie die Geige vor der Bewertung nicht reparieren, neu besaiten oder reinigen. Alter Schmutz und alte Reparaturen sind für die Beurteilung aufschlussreich, und eine Instandsetzung vor dem Verkauf rechnet sich selten.
Für die genaue Bewertung sehen wir das Instrument im Original, in unseren Räumen in der Piaristengasse in 1080 Wien oder bei Ihnen zu Hause. Wir besichtigen in ganz Österreich und im nahen Ausland. Dabei prüfen wir Bauweise, Zustand und Herkunft und ordnen die Geige in den aktuellen Markt ein. Bei Instrumenten, die ein Zertifikat rechtfertigen, sagen wir Ihnen das offen. Danach erhalten Sie ein nachvollziehbares Angebot. Auf Wunsch besprechen wir, ob der direkte Ankauf, die Vermittlung an einen Sammler oder eine Auktion der bessere Weg ist. Entscheiden Sie sich für den Verkauf, ist eine Auszahlung in vielen Fällen noch am selben Tag möglich. Bis zu Ihrer Zusage gibt es keine Verpflichtung.
Paul Grosslicht, Kunsthandel Wien
Der Kunsthandel Paul Grosslicht ist ein Wiener Familienbetrieb in dritter Generation mit mehr als 35 Jahren Erfahrung in der Bewertung von Kunst und Antiquitäten. Geigen kommen bei uns meist als Teil einer Verlassenschaft ins Haus, zusammen mit Bildern, Silber, Uhren oder Möbeln. Deshalb können wir einen Nachlass als Ganzes bewerten und Ihnen einen Ansprechpartner für alle Stücke bieten.
Häufige Fragen zum Verkauf alter Geigen
Ist meine Geige mit Stradivarius-Zettel echt?
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Zettel mit dem Namen Stradivari wurden im 19. und 20. Jahrhundert in Hunderttausende Nachbauten geklebt, um das Modell zu bezeichnen. Echte Stradivari-Geigen sind weltweit dokumentiert und in ihrer Geschichte gut verfolgbar. Die Kopie kann trotzdem ein brauchbares Instrument mit einem Wert von einigen hundert Euro sein.
Was bedeutet „Made in Germany“ oder „Czechoslovakia“ auf dem Zettel?
Es handelt sich um eine Exportgeige aus der Zeit nach 1891, als die USA eine Herkunftsangabe auf Importwaren vorschrieben. Der Vermerk „Czechoslovakia“ datiert die Geige auf die Zeit zwischen Oktober 1918 und Ende 1992. Meist stammen solche Instrumente aus Schönbach oder Markneukirchen.
Was ist eine alte Geige wert?
Einfache Manufakturgeigen erzielen bei Wiener Auktionen meist 75 bis rund 500 Euro, gute Meistergeigen des 20. Jahrhunderts einige tausend Euro. Geigen Wiener Meister des 18. und 19. Jahrhunderts wie Johann Georg Thir oder Franz Geissenhof wurden zuletzt für rund 5.000 bis 50.400 Pfund versteigert. Der Ankaufspreis eines Händlers liegt unter diesen Auktionspreisen, wird dafür aber sofort ausbezahlt.
Kann ich selbst herausfinden, wer meine Geige gebaut hat?
Herkunftsregion und ungefähres Alter lassen sich oft eingrenzen, etwa über Ländervermerke, Brandstempel und die Bauweise im Inneren. Den Erbauer sicher zu bestimmen, erfordert den Vergleich mit gesicherten Instrumenten durch eine Fachperson. Der Zettel allein genügt dafür nicht.
Soll ich die Geige vor dem Verkauf reparieren lassen?
Nein. Eine Reparatur kostet oft mehr, als sie beim Verkauf einbringt, und alte Spuren sind für die Bewertung aufschlussreich. Wir kaufen Geigen auch mit Rissen, ohne Saiten oder mit fehlendem Steg an.
Kaufen Sie auch einzelne Geigen oder nur ganze Nachlässe an?
Beides. Wir kaufen einzelne Geigen, Bratschen und Celli ebenso an wie Instrumente als Teil einer Verlassenschaft, einschließlich Bögen und Kästen.
Kostet die Bewertung etwas?
Nein. Erstkontakt, Ersteinschätzung anhand von Fotos und Besichtigung sind kostenlos und unverbindlich.
Muss ich mit der Geige nach Wien kommen?
Für die erste Einschätzung genügen Fotos per E-Mail oder WhatsApp. Für die genaue Bewertung sehen wir das Instrument im Original, in Wien oder bei Ihnen vor Ort in ganz Österreich.
Quellen: Smithsonian Institution, National Museum of American History (Hinweise zu Stradivarius-Zetteln); Amati Instrument Archive mit Biografien nach Dilworth, Lütgendorff und Stainer (Thir, Geissenhof, Lemböck, Zach); Tarisio Cozio Archive (Jakob Stainer); Dorotheum Wien (Top-Ergebnisse Musikinstrumente, Online-Auktion Musikinstrumente vom 15.11.2024); The Strad und Sotheby’s zur Joachim-Ma-Stradivari; Corilon Violins zur Geschichte des Geigenbaus in Markneukirchen und Schönbach; Anna Karoline Meinel zum historischen vogtländischen Geigenbau; Egerland-Museum Marktredwitz; VIAF (Matthias Klotz); Tarisio zu Tourte-Bögen. Auktionsergebnisse gerundet und inklusive Aufgeld; Stand der Recherche September 2026.



