Berndorfer Silber, Alpacca und versilberte Bestecke verkaufen und bewerten lassen
Die größte österreichische Besteckmanufaktur und ihre zwei Märkte
Berndorfer Stücke gibt es in fast jedem Wiener Haushalt. Die schwere versilberte Suppenkelle aus der Küche, das 12 Personen-Besteck aus der zweiten Reihe der Vitrine, der Sahnegießer mit der charakteristischen Punze des Bären unter der Krone, der Brieföffner mit dem geprägten Berndorfer Logo, die Mokkalöffel im Etui mit Samteinlage: All das stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Berndorfer Metallwarenfabrik, dem größten Hersteller von Bestecksilber und versilberten Tafelobjekten, den Österreich je hatte.
Genau hier liegt aber auch das Problem der Bewertung. Berndorfer hat über 180 Jahre hinweg auf zwei sehr unterschiedlichen Ebenen produziert: einerseits in Massenproduktion versilberter Bestecke und Alpacca-Stücke für Privathaushalte, Hotels, Bahnen und Schifffahrtsgesellschaften, andererseits in Designer-Editionen mit Entwürfen von Josef Hoffmann, Otto Prutscher und anderen Größen der Wiener Werkstätte. Die meisten Berndorfer-Stücke aus Wiener Haushalten gehören zur ersten Gruppe und sind als Sammelobjekte nur eingeschränkt interessant. Eine kleine Minderheit gehört zur zweiten und kann erhebliche Werte erreichen. Die Unterscheidung verlangt Erfahrung mit Punzen und Modellnummern.
Berndorfer und die Geschichte einer niederösterreichischen Industriestadt
Die Berndorfer Metallwarenfabrik wurde 1843 in Berndorf (Niederösterreich, im Triestingtal südlich von Wien) gegründet. Initiator war Alfred Krupp, der bekannte deutsche Industriemagnat aus Essen, der jedoch nur als stiller Teilhaber auftrat. Operativer Gründungspartner war der Wiener Textilkaufmann und Bankier Alexander von Schoeller. 1844 wurde Hermann Krupp (1814 bis 1879), der jüngere Bruder Alfreds, als technischer Direktor in die Manufaktur berufen. Hermann Krupp hatte in Paris Werksanlagen studiert und brachte das technische Wissen für eine industrielle Bestecksproduktion mit. Bis zu seinem Tod 1879 blieb er die prägende Figur des Unternehmens.
Das Unternehmen produzierte zunächst Bestecke aus Pakfong, einer Kupfer-Nickel-Zink-Legierung, die unter den Namen Alpacca, Alpakka, Neusilber oder Argentan bekannt wurde. Diese Legierung sieht Silber zum Verwechseln ähnlich, enthält aber kein einziges Atom Edelmetall. Mit einer eigens entwickelten Stahlguss-Löffelwalze konnten Löffel und Gabeln in großen Stückzahlen zu vergleichsweise niedrigen Preisen hergestellt werden, oft zusätzlich versilbert. Das war die ökonomische Grundlage des späteren Erfolgs.
Die ersten zehn Jahre verliefen finanziell schwierig. Erst Mitte der 1850er Jahre schrieb das Unternehmen schwarze Zahlen. Mit der Eröffnung der Leobersdorfer Bahn im Jahr 1877 verbesserte sich die Anbindung an Wien und damit die Marktposition deutlich. Die Manufaktur belieferte das Wiener Gastgewerbe, die Bahngesellschaften der Monarchie, die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft, die k.u.k. Marine und die internationalen Schifffahrtslinien. Die Stempelung „Berndorf“ auf Hotel- und Restaurantbestecken wurde europaweit zum Qualitätsstandard.
Arthur Krupp (1856 bis 1938), der Sohn Hermann Krupps, übernahm nach dem Tod des Vaters 1879 zunächst ein Drittel des Unternehmens. 1891 erwarb er die beiden anderen Drittel von den Neffen Alexander von Schoellers und wurde Alleininhaber. Unter Arthur Krupp expandierte die Manufaktur in eine ganz andere Größenordnung. Die tägliche Bestecksproduktion erreichte 1.400 Dutzend, also etwa 16.800 Stück pro Tag. Berndorf wurde zur klassischen Werksstadt: Krupp ließ Arbeiterwohnungen, eine Volksschule, eine Margaretenkirche und ein eigenes Stadttheater (1898, von Fellner & Helmer, jenen Architekten, die auch die Wiener Volksoper bauten) errichten. Die Stadt war wirtschaftlich, sozial und kulturell um die Fabrik herum organisiert.
Die kunsthistorisch wichtigste Phase begann um 1900. Arthur Krupp suchte den Anschluss an die ästhetische Moderne und gewann mehrere Architekten und Designer der Wiener Moderne für eigene Entwürfe. Josef Hoffmann entwarf für Berndorfer eine Reihe von Bestecksmodellen, Tafelaufsätzen, Schalen und Gebrauchsgegenständen, die heute als Klassiker des österreichischen Industriedesigns gelten. Otto Prutscher lieferte zahlreiche Entwürfe für Bestecke und Tafelware. Auch Peter Behrens und andere namhafte Gestalter arbeiteten zeitweise für Berndorfer. Diese Designerlinien wurden in beschränkter Auflage produziert und werden heute oft als „Berndorfer Wiener Werkstätte“ oder „Berndorfer Künstlerentwürfe“ bezeichnet.
1918 erwarb Arthur Krupp die Wiener Hofsilbermanufaktur J.C. Klinkosch, die als J.C. Klinkosch A.G. unter dem Berndorfer Konzern weitergeführt wurde. Damit war die Berndorfer Familie verbunden mit der wohl ältesten und renommiertesten Wiener Silbermanufaktur.
1938 wurde die Firma nach dem Anschluss in den deutschen Krupp-Konzern eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm zunächst die Rote Armee den Betrieb, der unter sowjetischer Verwaltung als USIA-Betrieb weiterlief. 1946 wurde die Berndorfer Metallwarenfabrik Arthur Krupp AG von der Republik Österreich verstaatlicht und in den folgenden Jahrzehnten als Teil der staatlichen Industriestruktur weitergeführt. In den 1980er Jahren wurde sie privatisiert, der Konzern hat sich seither in Richtung Industrieanlagenbau entwickelt. Die Bestecksparte besteht als Berndorf Besteck weiterhin.
Warum sind Berndorfer Stücke heute besonders gesucht?
Die Antwort auf diese Frage hängt vollständig davon ab, um welche Berndorfer Stücke es geht. Der Markt teilt sich klar in zwei Segmente, die nichts miteinander zu tun haben.
Das Standardsegment (Alpacca-Bestecke, versilberte Tafelware der Massenproduktion) hat nur einen kleinen Sammlermarkt. Alpacca als Material hat keinen Edelmetallwert. Versilberte Stücke haben einen Materialwert, der vom Silberauflage-Gewicht (oft als „90er Auflage“ bezeichnet, also 90 Gramm Silber pro Dutzend Stücke) bestimmt wird, aber dieser Materialwert ist im Vergleich zu massivem Silber gering. Komplette versilberte 12 Personen-Sets aus den 1930er bis 1960er Jahren werden im Handel typischerweise zwischen 300 und 1.500 Euro gehandelt, abhängig von Modell und Erhaltungszustand. Das ist deutlich weniger, als die meisten Erben vermuten.
Das Designersegment ist eine völlig andere Welt. Bestecke und Tafelware nach Entwürfen von Josef Hoffmann, Otto Prutscher, Peter Behrens und anderen führenden Wiener Jugendstil-Architekten sind heute international gefragte Sammelobjekte. Bei spezialisierten Design-Auktionen erreichen einzelne Hoffmann-Berndorfer-Stücke vier- bis fünfstellige Werte, komplette Servicegarnituren liegen entsprechend höher. Diese Stücke werden bei Phillips in London und New York („Design Sales“), bei Sotheby’s und Christie’s, sowie im Dorotheum und bei Im Kinsky in Wien regelmäßig versteigert.
Sterling 800 Silber von Berndorfer ist ein drittes, kleineres Marktsegment. Die Manufaktur produzierte neben der Alpacca-Linie auch echte 800er Silberobjekte, oft für besondere Aufträge, Ehrengaben oder hochwertige Hotelausstattungen. Solche Sterling-Stücke folgen den allgemeinen Wertkriterien für Wiener Silber und werden je nach Form, Designer und Provenienz bewertet.
Welche Berndorfer Stücke haben Sammlerwert?
Josef Hoffmann Entwürfe für Berndorfer. Hoffmann lieferte zwischen etwa 1907 und den frühen 1930er Jahren mehrere Bestecksmodelle und Tafelobjekte für die Manufaktur. Diese Stücke sind nicht mit dem hochwertigen Sterling-Silber der Wiener Werkstätte zu verwechseln (siehe dazu der eigene Artikel zu Wiener Werkstätte Silber). Es handelt sich um Industrieproduktion in Alpacca oder versilbertem Material, aber nach Originalentwürfen Hoffmanns. Charakteristisch sind die geometrischen Formen und die für Hoffmann typischen perforierten oder gehämmerten Oberflächen. Originale Hoffmann-Berndorfer-Bestecke erreichen je nach Modell, Vollständigkeit und Erhaltungszustand mittlere drei- bis hohe vierstellige Werte. Bei kompletten Garnituren in originalverpacktem Zustand können einzelne Sets fünfstellig werden.
Otto Prutscher Entwürfe für Berndorfer. Prutscher (1880 bis 1949), Schüler Hoffmanns und ebenfalls Architekt des Wiener Jugendstils, hat in noch größerem Umfang für Berndorfer gestaltet. Seine Bestecke und Tafelobjekte zeigen die für ihn typische Synthese aus geometrischer Klarheit und dezentem Dekor. Auch diese Stücke wurden in Alpacca oder versilbertem Material produziert. Die Werte liegen bei Einzelteilen im mittleren dreistelligen Bereich, bei vollständigen Garnituren deutlich höher.
Hotelsilber und Repräsentationsobjekte. Berndorfer belieferte zahlreiche der bedeutendsten Hotels Mitteleuropas, von den Wiener Palais-Hotels über die k.u.k. Hofzüge bis zu den großen Ozeandampfern. Hotelsilber mit Berndorfer Punze und der Originalmonogrammierung des jeweiligen Hauses (Hotel Sacher, Hotel Imperial, k.u.k. Südbahn, Donaudampfschifffahrtsgesellschaft, Lloyd Austriaco) ist eine eigene Sammelkategorie. Einzelne Stücke liegen im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich, komplette Sets mit dokumentierter Hotelprovenienz erreichen mehr.
Repräsentationsstücke und Ehrengaben. Berndorfer produzierte zahlreiche individuell beauftragte Stücke für Jubiläen, Ehrenungen, Vereinsgründungen, Militärische Anlässe und ähnliches. Pokale, Tafelaufsätze, gestiftete Schalen mit Widmungsinschriften sind eigene Sammelobjekte, vor allem wenn die Provenienz nachvollziehbar ist.
Sterling 800 Silber von Berndorfer. Die echten 800er Silberstücke der Manufaktur, oft mit dem Diana-Kopf der österreichischen Beschau und der Berndorfer Punze, sind seltener und folgen der Wertlogik von massivem Silber. Sie liegen in der Bewertung deutlich über den versilberten Stücken vergleichbarer Form, weil der Materialwert hier substantiell ist.
Standard-Versilbertes und Alpacca-Bestecke. Die bulkmäßig produzierten 12 oder 24 Personen-Garnituren der 1930er bis 1980er Jahre sind solide Gebrauchsstücke. Sie werden je nach Modell, Vollständigkeit und Erhaltungszustand zwischen 300 und 1.500 Euro gehandelt. Selten erreichen einzelne historisch besonders interessante Modelle oder Frühperiodenstücke höhere Werte.
Worauf bei Bewertung und Echtheit zu achten ist
Die Berndorfer Marken. Die wichtigsten Erkennungszeichen sind die Punze mit dem stehenden Bären unter der Krone, eingeprägt mit dem Schriftzug „BERNDORF“ oder dem ausgeschriebenen Firmennamen. Daneben gibt es verschiedene Periodenmarken: „BERNDORFER METALLWARENFABRIK“, „BERNDORF ALPACCA“, „BERNDORF ALPACCA SILBER“ (irreführend, weil kein Silber enthalten ist), „BERNDORF 800″ für Sterling-Stücke, „CHINASILBER“ für Alpacca-Editionen. Bei versilberten Stücken finden sich oft Zahlenangaben (90, 100, 120), die das Silberauflage-Gewicht in Gramm pro Dutzend angeben.
Alpacca versus versilbert versus Sterling. Die drei Materialebenen sind klar zu unterscheiden:
- Alpacca (auch Pakfong, Neusilber): Kupfer-Nickel-Zink-Legierung, kein Edelmetallgehalt. Wirkt silbern, ist aber kein Silber. Kein Materialwert im Edelmetallsinn.
- Versilbert (Berndorfer Standardprodukt): Alpacca-Basis mit elektrolytisch aufgebrachter Silberschicht. Die Silberauflage in Gramm pro Dutzend ist das wertbestimmende Merkmal.
- Sterling 800: massives Silber mit 800/1000 Feinheit. Trägt die offizielle österreichische Beschau (Diana-Kopf nach 1922, davor Adler-Punze) zusätzlich zur Berndorfer Marke.
Diese drei Kategorien können von außen schwer unterscheidbar sein. Die offizielle österreichische Punze ist das zuverlässige Echtheitskriterium für Sterling. Stücke mit „BERNDORF 800″ ohne offizielle Beschau verdienen genauere Prüfung.
Designer-Zuordnung. Die Wiener Werkstätte und die Architekten des Jugendstils signierten ihre Entwürfe für Berndorfer in der Regel nicht direkt, aber die Modelle sind in den Berndorfer Musterbüchern dokumentiert. Das Archiv ist teilweise im MAK Wien und im Berndorfer Stadtmuseum erhalten. Die exakte Zuordnung eines Modells zu einem bestimmten Entwerfer ist deshalb in vielen Fällen über Vergleichsstücke und Musterbücher möglich, aber sie verlangt Erfahrung mit Wiener Jugendstil-Design.
Erhaltungszustand bei versilberten Stücken. Bei versilberten Bestecken nutzt sich die Silberschicht mit der Zeit ab, besonders an den Kontaktstellen (Löffel-Schöpfteil, Gabel-Zinken, Messer-Klinge). Wo das Alpacca durchscheint, ist die Reparatur durch Nachvergoldung oder Nachversilberung möglich, aber kostenintensiv. Stark abgenutzte versilberte Stücke sinken deutlich im Wert. Originale, möglichst wenig abgenutzte Garnituren erreichen die oberen Bewertungsspannen.
Vollständigkeit der Garnitur. Wie bei jedem Bestecksatz ist die Vollständigkeit für die Bewertung entscheidend. Berndorfer 12 Personen-Service umfassen in der klassischen Tradition etwa 70 bis 90 Stück, abhängig von der Ausführung (mit oder ohne Fischbesteck, Vorlegestücke, Mokkalöffel). Komplette historische Sets in Originalkassetten oder Etuis sind deutlich gefragter als unvollständige.
Wie läuft ein Ankauf bei Paul Grosslicht ab?
Der erste Schritt ist einfach. Schicken Sie uns Fotos der Stücke, möglichst übersichtlich und mit klaren Detailaufnahmen der Punzen auf der Rückseite oder am Bandende. Bei Bestecksätzen eine Aufnahme der Vollständigkeit, idealerweise alle Stücke in geordneter Reihe ausgelegt. Bei einzelnen Hohlware-Stücken Detailaufnahmen aus mehreren Perspektiven. Auf Basis dieser Fotos erhalten Sie eine erste Einschätzung, ob und in welchem Rahmen ein Ankauf möglich ist.
Bei Berndorfer-Stücken ist die Vorbewertung anhand der Fotos oft schwieriger als bei anderen Manufakturen, weil die Materialebene (Alpacca, versilbert, Sterling) und die mögliche Designer-Zuordnung nicht immer aus dem Foto allein zu erkennen sind. In Zweifelsfällen empfiehlt sich deshalb der persönliche Termin.
Bei konkretem Interesse kommt Paul Grosslicht persönlich zu Ihnen, vorwiegend in Ostösterreich, kurzfristige Termine sind möglich. Bei umfangreichen Berndorfer-Beständen, etwa kompletten Servicegarnituren oder größeren Sammlungen aus Hotelauflösungen, ist der Hausbesuch in der Regel die sinnvollere Variante. Die Besichtigung und Bewertung sind kostenlos und unverbindlich.
Wenn beide Seiten sich einigen, kann die Abwicklung sehr rasch gehen. Eine Auszahlung noch am selben Tag ist in vielen Fällen möglich, auf Wunsch bar oder per Überweisung. Bei besonders wertvollen Stücken, vor allem bei Hoffmann- oder Prutscher-Entwürfen mit dokumentierter Provenienz, ist häufig eine Vermittlung an spezialisierte Design-Auktionen sinnvoller als der direkte Ankauf. Auch das wird im persönlichen Gespräch besprochen.
Warum Paul Grosslicht kontaktieren?
Paul Grosslicht betreibt den Wiener Kunsthandel seit über 35 Jahren, das Familienunternehmen in dritter Generation. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt im An- und Verkauf erlesener Antiquitäten und Kunstgegenstände, von Gemälden und Kunstobjekten über Porzellan, Schmuck und Uhren bis hin zu Silber in allen genannten Kategorien. Fallweise besteht eine Kooperation mit dem Dorotheum in Wien, was für besondere Stücke zusätzliche Vermarktungswege eröffnet.
Ob aus einem Nachlass, einer aufzulösenden Sammlung oder als Einzelstück: Der Erstkontakt ist unverbindlich, die Bewertung kostenlos. Und wer keine Zeit verlieren möchte, bekommt rasch Klarheit. Gerade bei Berndorfer-Beständen, bei denen das Standardsegment vom Designer-Segment unterschieden werden muss, lohnt sich eine genaue Prüfung in jedem Fall.
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