Tina Blau Ankauf Wien

Tina Blau: Gemälde verkaufen und bewerten lassen

Das Bild, das ein Loch in die Wand riss

Als die Jury des Wiener Künstlerhauses 1882 das Gemälde Frühling im Prater begutachtete, lautete das Urteil, es reiße ein Loch in die Wand. Gemeint war die Helligkeit: So viel Tageslicht hatte man in der Wiener Malerei bis dahin nicht gesehen. Erst auf Fürsprache von Hans Makart wurde das Bild gehängt, ein Jahr später erhielt es im Pariser Salon eine Mention honorable. Tina Blau war damit über Nacht berühmt. Wenn Sie ein Gemälde von Tina Blau geerbt haben oder besitzen, stellt sich früher oder später die Frage nach seinem Wert.

Der Kunsthandel Paul Grosslicht in Wien kauft Gemälde und Ölstudien von Tina Blau an und bewertet sie fachkundig, persönlich und marktgerecht. Wien ist der wichtigste Handelsplatz für ihr Werk: Die höchsten dokumentierten Zuschläge fielen alle in Wiener Auktionshäusern. Auf dieser Seite erfahren Sie, wer Tina Blau war, was ihre Bilder heute erzielen, wie Sie ein Werk selbst im kostenlosen Online-Werkverzeichnis nachschlagen und wie ein fairer Ankauf abläuft.

Wer war Tina Blau?

Tina Blau wurde am 15. November 1845 als Regina Leopoldine Blau in Wien geboren. Ihr Vater Simon Blau war Militärarzt und stammte aus einer jüdischen Prager Familie. Er förderte ihr Talent früh: Mit 14 Jahren erhielt sie ersten Malunterricht bei Antal Hanély, einem Schüler Ferdinand Georg Waldmüllers, ab 1860 wechselte sie zum Landschaftsmaler August Schaeffer von Wienwald, der sie zur Arbeit in freier Natur anregte.

1869 reiste sie mit dem Erlös ihres ersten verkauften Bildes nach München, blieb dort und nahm Privatunterricht bei Wilhelm Lindenschmit dem Jüngeren. In diesen Jahren setzte sie sich mit der französischen Schule von Barbizon und der holländischen Landschaftsmalerei auseinander. Zurück in Wien lernte sie 1873 auf der Weltausstellung Emil Jakob Schindler kennen. Die beiden bereisten gemeinsam Ungarn und Holland und teilten ab 1875 ein Atelier, ein Verhältnis, das nicht spannungsfrei blieb. 1879, nach Schindlers Heirat, wurde Tina Blau alleinige Nutzerin des Ateliers im Wiener Prater. Die folgenden gut zehn Jahre gelten als ihre stärkste Schaffensphase.

1882 entstand ihr Hauptwerk Frühling im Prater, ein Format von 214 mal 291 Zentimetern, das heute im Oberen Belvedere hängt. 1883 heiratete sie den Münchner Pferde- und Schlachtenmaler Heinrich Lang, konvertierte zum evangelischen Glauben und übersiedelte nach München, wo sie an der Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins unterrichtete. Sie signierte fortan auch mit dem Doppelnamen Blau-Lang. Nach dem frühen Tod ihres Mannes 1891 kehrte sie 1894 endgültig nach Wien zurück.

Dort gehörte sie 1897 zu den Gründerinnen der Kunstschule für Frauen und Mädchen, gemeinsam mit Rosa Mayreder und Olga Prager. Von 1898 bis 1915 leitete sie den Kurs für Landschafts- und Stilllebenmalerei. Ihre späten Jahre brachten Reisen nach Italien, Südtirol und Holland und eine hellere, freiere Malweise. Den aufkommenden Jugendstil machte sie nicht mit. Tina Blau starb am 31. Oktober 1916 in Wien und erhielt ein Ehrengrab am Zentralfriedhof. Ihr künstlerischer Nachlass wurde im März 1917 im Wiener Auktionshaus C. J. Wawra versteigert.

Ihre Wiederentdeckung begann mit der Retrospektive im Oberen Belvedere 1971. 2016 und 2017 widmete das Belvedere ihr zum 100. Todestag die Ausstellung Nicht nur die Praterbäume!, zuletzt war ihr Werk von 31. Jänner bis 25. Mai 2026 im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern unter dem Titel Tina Blau. Im Freien zu sehen.

Was ist ein Gemälde von Tina Blau wert?

Die Spanne reicht von etwa 1.000 Euro bis in den sechsstelligen Bereich. Entscheidend sind Format, Motiv und die Frage, ob es sich um ein ausgeführtes Gemälde oder um eine Ölstudie handelt.

An der Spitze stehen große, vollendete Landschaften. Das Gemälde Kanal bei Amsterdam (um 1875/76) erzielte beim Wiener Auktionshaus im Kinsky im Oktober 2004 rund 230.400 Euro und ist damit das höchste dort dokumentierte Ergebnis. Zur Frühlingszeit kam im November 2023 auf rund 102.500 Euro, Partie aus dem Prater (Frühling) aus den Jahren um 1880/81 im Dezember 2022 auf rund 102.400 Euro. Detwang im Taubertal brachte 2006 rund 89.600 Euro, ein Blumenstrauß in Kupfervase 2002 rund 64.000 Euro.

Das breite Mittelfeld liegt zwischen 10.000 und 35.000 Euro. Beispiele: Fischerhafen in Pirano (1912) und ein Stillleben mit Äpfeln je rund 32.000 Euro, Blick auf Taufers in Südtirol (1900) rund 28.160 Euro, Acherkogel in Tirol (1901) im Dezember 2024 rund 25.600 Euro bei einer Schätzung von 10.000 bis 20.000 Euro, Im Wiener Prater rund 23.040 Euro, Partie aus Schloss Schönbrunn rund 19.200 Euro. Zuletzt wurde im Dezember 2025 Figur auf einer Landstraße (um 1890) mit 9.100 Euro zugeschlagen. Alle Beträge inklusive Aufgeld und Umsatzsteuer.

Deutlich darunter bewegen sich die Ölstudien, und das ist die für Erben wichtigste Unterscheidung. Tina Blau hat ihre Motive konsequent im Freien vorbereitet, entsprechend viele kleinformatige Studien sind in Umlauf. Eine Studie zu Apriltag im Prater (1883) erzielte im Dezember 2020 rund 1.280 Euro, ein Konvolut aus drei Baumstudien im März 2022 ebenfalls rund 1.280 Euro. Eine Praterstudie von 1881 kam im Jänner 2016 auf rund 2.560 Euro.

Zwischen einer signierten, datierten Praterlandschaft und einer kleinen Baumstudie derselben Malerin liegt damit leicht der Faktor 50. Der Name allein bestimmt den Wert also nicht, und genau deshalb lohnt eine individuelle Begutachtung, bevor Sie entscheiden.

Wie erkenne ich ein Werk von Tina Blau?

Bei Tina Blau ist die Ausgangslage ungewöhnlich komfortabel, weil ein vollständiges Werkverzeichnis kostenlos online steht.

  • Online-Werkverzeichnis des Belvedere: Markus Fellinger und Claus Jesina haben 2016 das Werkverzeichnis als Band 6 der Belvedere Werkverzeichnisse veröffentlicht, lange Zeit abrufbar unter werkverzeichnisse.belvedere.at (aktuell, 2026-08, scheint diese Website offline zu sein). Die Gemälde tragen Nummern im Format GE 532 oder GE 630. Auktionshäuser zitieren diese Nummern regelmäßig. Ein Werk, das dort verzeichnet ist, lässt sich sicherer zuschreiben und erzielt in aller Regel mehr.
  • Handschriftliche Werkliste: Tina Blau führte über Jahrzehnte selbst eine Liste ihrer Arbeiten. Katalogeinträge verweisen darauf, was die Datierung einzelner Bilder stützt.
  • Signatur: Frühe und späte Wiener Werke meist Tina Blau, häufig mit Ortsangabe und Jahreszahl. Nach der Heirat 1883 kommt auch Tina Blau-Lang vor. Der Doppelname ist damit ein Datierungshinweis, kein Echtheitsproblem.
  • Motive: der Wiener Prater in allen Jahreszeiten, Auen und Flusslandschaften, Motive aus Mödling und dem Wienerwald, holländische Hafen- und Stadtansichten (Dordrecht, Amsterdam), Italien und Istrien (Pirano, Malcesine), Tirol und Südtirol, dazu Blumenstillleben.
  • Rückseite: Etiketten der Nachlassversteigerung bei C. J. Wawra 1917, alte Ausstellungsetiketten des Künstlerhauses und Sammlerkennzeichen. Sie sind für die Provenienz oft aufschlussreicher als die Vorderseite.

Weil ihre Landschaften technisch der Schindler-Schule nahestehen, kommen am Markt auch Fehlzuschreibungen vor, in beide Richtungen. Werke von Schülerinnen und Zeitgenossinnen wurden Tina Blau zugeschrieben und umgekehrt. Der Abgleich mit dem Werkverzeichnis schafft hier Klarheit.

Provenienz: was Erben wissen sollten

Tina Blau stammte aus einer jüdischen Familie, und ihre Bilder hingen in großer Zahl in Wiener Sammlungen, die ab 1938 enteignet oder unter Zwang verkauft wurden. Bei Werken mit einer Besitzgeschichte in dieser Zeit gehört die Klärung der Provenienz zur sorgfältigen Bewertung.

Konkret heißt das: Die Besitzkette zwischen 1933 und 1945 sollte nachvollziehbar sein. Etiketten, Auktionsstempel, alte Rechnungen und Sammlervermerke auf der Rückseite sind dabei die wichtigsten Belege. Für Bundesmuseen regelt das österreichische Kunstrückgabegesetz von 1998 die Rückgabe, im privaten Handel gibt es keine vergleichbare Automatik, wohl aber eine deutliche Erwartung des Marktes an dokumentierte Herkunft. Eine geklärte Provenienz erhöht den erzielbaren Preis, eine offene Lücke drückt ihn.

Zum Urheberrecht: Tina Blau ist 1916 verstorben, ihr Werk ist gemeinfrei. Ein Folgerecht, wie es beim Weiterverkauf von Werken lebender oder erst kürzlich verstorbener Künstler anfällt, entsteht hier nicht.

Wie läuft ein Ankauf bei Paul Grosslicht ab?

Der Verkauf eines wertvollen Gemäldes ist Vertrauenssache, besonders wenn es aus einem Nachlass stammt und mit Erinnerungen verbunden ist. Bei uns läuft der Ankauf transparent und in Ihrem Tempo ab.

Der erste Schritt ist einfach: Schicken Sie uns Fotos des Werkes, also Vorderseite, Rückseite, Signatur und Rahmen, per E-Mail oder WhatsApp. Bei Tina Blau lohnt sich die Rückseite besonders, weil dort die Etiketten sitzen, über die sich ein Bild dem Werkverzeichnis zuordnen lässt. Anhand dieser Aufnahmen geben wir Ihnen eine erste, unverbindliche Einschätzung, oft schon innerhalb kurzer Zeit.

Für die genaue Bewertung sehen wir das Werk anschließend im Original. Sie können es in unsere Räume in der Piaristengasse in 1080 Wien bringen, oder wir kommen bei größeren Beständen und Verlassenschaften zu Ihnen. Dabei prüfen wir Zuschreibung, Erhaltungszustand und Herkunft und ordnen das Werk in den aktuellen Markt ein. Die Besichtigung und Bewertung sind kostenlos und unverbindlich.

Danach erhalten Sie ein nachvollziehbares, marktgerechtes Angebot. Auf Wunsch besprechen wir gemeinsam, ob der direkte Ankauf oder die Vermittlung an einen Sammler der bessere Weg ist. Fallweise besteht eine Kooperation mit dem Dorotheum in Wien, was für besondere Werke zusätzliche Vermarktungswege eröffnet. Entscheiden Sie sich für den Verkauf, ist eine Auszahlung in vielen Fällen noch am selben Tag möglich. Es gibt keinen Zeitdruck und keine Verpflichtung, bis Sie zusagen.

Warum Paul Grosslicht kontaktieren?

Der Kunsthandel Paul Grosslicht ist ein Wiener Familienbetrieb mit Fachkompetenz über drei Generationen und mehr als 35 Jahren Erfahrung in der Bewertung von Kunst und Antiquitäten. „Schon mein Großvater hat in mir die Liebe zu allem Schönen geweckt“, dieser persönliche Zugang prägt unsere Arbeit bis heute. Neben Gemälden schätzen und kaufen wir auch Schmuck, Uhren, Möbel und Antiquitäten und begleiten Sie einfühlsam bei der Auflösung von Verlassenschaften.

Der Erstkontakt ist unverbindlich, die Bewertung kostenlos. Ob Sie ein einzelnes Gemälde von Tina Blau verkaufen möchten, eine Sammlung oder einen ganzen Nachlass ordnen: Sie erreichen uns direkt und persönlich.

Quellen zu Biografie und Marktdaten: Österreichische Galerie Belvedere (Sammlung Online und Online-Werkverzeichnis Tina Blau, Fellinger/Jesina 2016), Leopold Museum Online Sammlung, Wien Geschichte Wiki, Österreichische Nationalbibliothek (Frauen in Bewegung), Auktionshaus im Kinsky (Wien), Wikipedia. Auktionsergebnisse gerundet und inklusive Aufgeld sowie Umsatzsteuer; Stand der Recherche August 2026.

Paul Grosslicht
Paul Grosslicht

Verfasst von Paul Grosslicht, zertifizierter Kunsthändler, Antiqitäten-, Gold-und Silberspezialist mit über 30 Jahren Expertise in der Bewertung von Tafelsilber, Besteck, Gemälden und Sammlerobjekten. Inhaber des Kunsthandels Grosslicht in 1080 Wien.